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Feuilleton

Die Zukunft der Frauen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Polygamie ist ein Hund. Leider ist er treu. Er folgt vornehmlich Männern bei Fuß und auch verlassenen Ehefrauen, die sich plötzlich verstoßen fühlen. Sie begrüßen die Vielehe, um wenigstens im Betreuungsverhältnis zu bleiben. Das ist eine Frage des Grundeinkommens, wenn es nicht bedingungslos von der Gesellschaft zuerkannt ist. Da steigen mir die Grausbirnen auf. Erstens, dass die Treue gebrochen wird, die soziale, die emotionale und die sexuelle, aber genauso die Treue zur Selbstwürde. Wann wirft man sein Gelöbnis, die Treue zu halten über Bord? Welche Treue was oder wem gegenüber? Zum Beispiel dem Schreiben? Zum Beispiel den Kindern? Dem Wort, das Freunde von mir haben, nie etwas über sie zu verraten? Wenn ich die Treue nicht halte, dann verliere ich in ihren Augen an Würde. Oder verliere ich nur mein Ansehen in ihren Augen? Und ist mir das nicht egal? Wie tief würde ich sinken als Verräterin? Habe ich Angst vorm Sinken? Angst vor Gegenverrat? Ich könnte die Treue meinen Werten versagen. Ich könnte einen Burkini tragen und aufs Badeschiff schwimmen gehen. Das Wasser ist immer zu kalt auf dem Badeschiff. Man kann ruhig einen Burkini tragen. Freilich ist die Figur zu berücksichtigen, die man hat. Auf diese und jene Weise ist Ärgernis zu erregen. Ich würde gern in eine gemischte Moschee gehen, nur um zur Mischung beizutragen. Ich stelle mir die Zukunft wie eine große Kommune vor. Also ohne Vater-Gott-Kapital. Eher wie eine Kommune aus freien Frauen, die ihre Bedingungen würdevoll einfordern und Freiräume schaffen. Wie sähen dann die sozialen Beziehungen aus? Wir wären füreinander da. Wir hielten die Treue, um Unabhängigkeiten zu schaffen. Und was wäre mit den Männern, kämen sie auf den Hund? Vielleicht richten die Söhne den Appell an ihre Väter, nicht ihre Mädels auszuspannen? Was für ein Eklat. Aber sonst: In wilder Ehe, das heißt auf Augenhöhe, gerne Ja!

Die Autorin ist Schriftstellerin

Die Polygamie ist ein Hund. Leider ist er treu. Er folgt vornehmlich Männern bei Fuß und auch verlassenen Ehefrauen, die sich plötzlich verstoßen fühlen. Sie begrüßen die Vielehe, um wenigstens im Betreuungsverhältnis zu bleiben. Das ist eine Frage des Grundeinkommens, wenn es nicht bedingungslos von der Gesellschaft zuerkannt ist. Da steigen mir die Grausbirnen auf. Erstens, dass die Treue gebrochen wird, die soziale, die emotionale und die sexuelle, aber genauso die Treue zur Selbstwürde. Wann wirft man sein Gelöbnis, die Treue zu halten über Bord? Welche Treue was oder wem gegenüber? Zum Beispiel dem Schreiben? Zum Beispiel den Kindern? Dem Wort, das Freunde von mir haben, nie etwas über sie zu verraten? Wenn ich die Treue nicht halte, dann verliere ich in ihren Augen an Würde. Oder verliere ich nur mein Ansehen in ihren Augen? Und ist mir das nicht egal? Wie tief würde ich sinken als Verräterin? Habe ich Angst vorm Sinken? Angst vor Gegenverrat? Ich könnte die Treue meinen Werten versagen. Ich könnte einen Burkini tragen und aufs Badeschiff schwimmen gehen. Das Wasser ist immer zu kalt auf dem Badeschiff. Man kann ruhig einen Burkini tragen. Freilich ist die Figur zu berücksichtigen, die man hat. Auf diese und jene Weise ist Ärgernis zu erregen. Ich würde gern in eine gemischte Moschee gehen, nur um zur Mischung beizutragen. Ich stelle mir die Zukunft wie eine große Kommune vor. Also ohne Vater-Gott-Kapital. Eher wie eine Kommune aus freien Frauen, die ihre Bedingungen würdevoll einfordern und Freiräume schaffen. Wie sähen dann die sozialen Beziehungen aus? Wir wären füreinander da. Wir hielten die Treue, um Unabhängigkeiten zu schaffen. Und was wäre mit den Männern, kämen sie auf den Hund? Vielleicht richten die Söhne den Appell an ihre Väter, nicht ihre Mädels auszuspannen? Was für ein Eklat. Aber sonst: In wilder Ehe, das heißt auf Augenhöhe, gerne Ja!

Die Autorin ist Schriftstellerin