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Eine Zeitung für Erstleser begeistert die ganz Jungen

Von Gaddafi bis Berlusconi - über das aktuelle Geschehen möchten sich auch Kinder informieren. Die erste österreichische Kinderzeitung ist überaus beliebt.

Die Zeitung beim samstäglichen Familienfrühstück ist nicht mehr nur Eltern vorbehalten, immer öfter stecken auch die Kinder ihre Nasen in die Gazette, und zwar in ihre eigene Kinderzeitung. Die Kleine Kinderzeitung, ein Produkt der Kleinen Zeitung, erscheint jeden Samstag seit Anfang diesen Jahres, eine separate Wien-Ausgabe kommt seit vorigem Samstag, 11. Juni, heraus. Das Produkt ist laut Chefredakteur und Geschäftsführer Hubert Patterer ein voller Erfolg. "Beglückte Eltern haben uns geschrieben, dass ihre Kinder voller Besitzerstolz im Morgengrauen zu den Postkästen stürmen und ihre Zeitung holen“, so Patterer.

Die Begeisterung schlage sich natürlich auch in Zahlen nieder. Man hat anfangs 6000 Abos kalkuliert, jetzt sind es schon 12.000 Abonnenten. "Wir sind mit der Kinderzeitung offenbar in eine Bedürfnis-Nische gestoßen, die auf ein solches Produkt mit großer Sehnsucht gewartet hat“, sagt Patterer. Mittlerweile sei sogar das Interesse ausländischer Medienhäuser geweckt worden. Der Springer-Konzern und die Süddeutsche Zeitung hätten Interesse an einer Lizenz-Kooperation.

Das gedruckte Wort retten

Bei der Themenwahl werden regelmäßig auch Kinder einbezogen, so nehmen beispielsweise immer wieder Schulklassen an den Redaktionssitzungen teil. Dabei hat man auch vor ernsten und komplizierten Themen keine Scheu. "Ein gefährlicher Winzling“ lautet etwa die Schlagzeile vor zwei Wochen, den Kindern wurde in dem Artikel das EHEC-Bakterium erklärt. Um umstrittene Personen, die die Erwachsenenwelt beschäftigen, wie Gadaffi oder Berlusconi, wird ebenfalls kein Bogen gemacht. "Kinder hören den Namen im Radio und Fernsehen und sollen wissen, wer dieser Herr ist und wie es sich unter ihm lebt“, sagt Patterer. Man müsse nur behutsam an solche Themen herangehen, keinesfalls dürfe man den Kindern Angst machen. "Den Blick darf man nicht allein auf die Katastrophe richten, sondern auch darauf, dass es Hilfe gibt“, erklärt Patterer.

Dass die Zeitung durchaus ein adäquates Medium für Kinder ist, davon ist auch die Geschäftsführerin des Vereins "Zeitung in der Schule“, Barbara Aschenbrenner, überzeugt. Der Verein versucht den Kindern die Welt der Zeitung in Workshops näherzubringen. "Je früher man Kinder ans Zeitunglesen heranführt, desto leichter fällt es ihnen später“, so Aschenbrenner. Zwar könne man die digitalen Medien nicht mehr wegzaubern, dennoch würden Kinder Printmedien immer noch schätzen. "Studien belegen beispielsweise, dass Kinder, wenn sie auf widersprüchliche Berichte im Fernsehen stoßen, zu Printmedien greifen, um Klarheit zu bekommen“, sagt Aschenbrenner.

Das gedruckte Wort zu retten, war auch eine wesentliche Intention der Kleinen Kinderzeitung. "Wir nehmen wahr, dass Heranwachsende allzu früh in die digitale Welt abziehen und dort ihren kulturellen Hauptwohnsitz beziehen“, so Patterer. "Zu diesem Sog möchten wir eine Gegenkraft entwickeln.“

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