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Feuilleton

Er ging segeln, Event ging baden

1945 1960 1980 2000 2020

Roberto Paternostro, der das ins Wasser gefallene "Universe of Opera" dirigieren sollte.

1945 1960 1980 2000 2020

Roberto Paternostro, der das ins Wasser gefallene "Universe of Opera" dirigieren sollte.

Der Veranstalter witterte einen Boykott, und tatsächlich lachten sich viele Musikfreunde ins Fäustchen: Weil nicht genügend Karten verkauft werden konnten, mußte das Mega-Event "Universe of Opera" abgesagt werden. Gleich über fünfzig große Sänger, darunter Agnes Baltsa, Edita Gruberova, Renato Bruson und Alfredo Kraus, hätten an drei Abenden im würdigen Rahmen eines Wiener Fußballstadions ihre Stimmen erklingen lassen sollen. Weltstars im Vorteilspack, die "Drei Tenöre" zur Potenz sozusagen. Daraus wird nun nichts. Die Österreicher sind an einem derartigen Kommerz-Spektakel anscheinend nicht interessiert.

Der Dirigent der Veranstaltung wäre Roberto Paternostro gewesen, einer der großen österreichischen Dirigenten der jungen Generation. 1985 trat Paternostro zum ersten Mal international in Erscheinung: Er leitete ein umjubeltes Gala-Konzert in der Arena von Verona. In der Folge dirigierte er am Teatro Liceu in Barcelona, an der Oper von Madrid, dem Teatro La Fenice in Venedig und in den Opernhäusern von Verona und Genua. Seit 1991 ist der Halb-Venezianer mit dem sizilianischen Namen Chefdirigent der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, seit 1997 Generalmusikdirektor des Staatstheaters Kassel.

Dirigieren bedeutet für Paternostro Glück, Freude und "das Meer austrinken" - seine Freizeit verbringt der Inhaber eines Hochseeschifferpatents auch am liebsten auf dem Ozean. "Es ist erfrischend, mit vier Leuten auf einem Segelboot zu sein und über alles zu reden - außer Musik", schwärmt der braungebrannte Paternostro von den seltenen Tagen der Muße.

Im Laufe seiner Karriere war der Vater zweier Kinder auch musikalischer Assistent des großen Herbert von Karajan. Warum die großen Dirigenten-Persönlichkeiten heutzutage immer rarer werden? "Die Welt läßt den Künstlern heute nicht mehr genügend Zeit, sich zu entwickeln. Die Leute werden gehetzt und getrieben, Zwölfjährige aufs Podium gejagt ..." Gegen Veranstaltungen wie "Universe of Opera" hat Paternostro hingegen nichts. "Ich tue ja nichts Böses", rechtfertigte der Maestro unschuldig seine Teilnahme an der mittlerweile baden gegangenen Veranstaltung: "Ein Ausflug alle heiligen Zeiten kann erlaubt sein."

Der Veranstalter witterte einen Boykott, und tatsächlich lachten sich viele Musikfreunde ins Fäustchen: Weil nicht genügend Karten verkauft werden konnten, mußte das Mega-Event "Universe of Opera" abgesagt werden. Gleich über fünfzig große Sänger, darunter Agnes Baltsa, Edita Gruberova, Renato Bruson und Alfredo Kraus, hätten an drei Abenden im würdigen Rahmen eines Wiener Fußballstadions ihre Stimmen erklingen lassen sollen. Weltstars im Vorteilspack, die "Drei Tenöre" zur Potenz sozusagen. Daraus wird nun nichts. Die Österreicher sind an einem derartigen Kommerz-Spektakel anscheinend nicht interessiert.

Der Dirigent der Veranstaltung wäre Roberto Paternostro gewesen, einer der großen österreichischen Dirigenten der jungen Generation. 1985 trat Paternostro zum ersten Mal international in Erscheinung: Er leitete ein umjubeltes Gala-Konzert in der Arena von Verona. In der Folge dirigierte er am Teatro Liceu in Barcelona, an der Oper von Madrid, dem Teatro La Fenice in Venedig und in den Opernhäusern von Verona und Genua. Seit 1991 ist der Halb-Venezianer mit dem sizilianischen Namen Chefdirigent der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, seit 1997 Generalmusikdirektor des Staatstheaters Kassel.

Dirigieren bedeutet für Paternostro Glück, Freude und "das Meer austrinken" - seine Freizeit verbringt der Inhaber eines Hochseeschifferpatents auch am liebsten auf dem Ozean. "Es ist erfrischend, mit vier Leuten auf einem Segelboot zu sein und über alles zu reden - außer Musik", schwärmt der braungebrannte Paternostro von den seltenen Tagen der Muße.

Im Laufe seiner Karriere war der Vater zweier Kinder auch musikalischer Assistent des großen Herbert von Karajan. Warum die großen Dirigenten-Persönlichkeiten heutzutage immer rarer werden? "Die Welt läßt den Künstlern heute nicht mehr genügend Zeit, sich zu entwickeln. Die Leute werden gehetzt und getrieben, Zwölfjährige aufs Podium gejagt ..." Gegen Veranstaltungen wie "Universe of Opera" hat Paternostro hingegen nichts. "Ich tue ja nichts Böses", rechtfertigte der Maestro unschuldig seine Teilnahme an der mittlerweile baden gegangenen Veranstaltung: "Ein Ausflug alle heiligen Zeiten kann erlaubt sein."