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Feuilleton

Gewollt zeitgenössisch

1945 1960 1980 2000 2020

"Frauen zu Salzburg": Multimedia im Carolino Augusteum.

1945 1960 1980 2000 2020

"Frauen zu Salzburg": Multimedia im Carolino Augusteum.

Fünf Frauen aus der Vergangenheit Salzburgs: Caroline Auguste, Gemahlin von Kaiser Franz I. und Wohltäterin der Stadt, Constanze Mozart, Ehefrau von Wolfgang Amadeus, Nannerl, dessen Schwester, Barbara Krafft, Porträtistin der Salzburger oberen Fünfhundert sowie Emilia Viktoria Kraus, geliebte Napoleons, auch "Hundsgräfin" genannt - sie sind die Hauptpersonen in Irene Andessners multimedialer Inszenierung "Frauen zu Salzburg" im Carolino Augusteum. Die Salzburger Künstlerin ist in diese fünf Rollen geschlüpft und hat sich darin fotografieren, auf Video filmen lassen und sich darüber hinaus unter deren Identität im Internet auf Partnersuche begeben.

Die Fotografien, die dabei im plüschigen "Hotel Urania" entstanden, sind sehr schön, ein Spiel mit Kitsch, ein zwinkerndes Liebäugeln mit billigem und heruntergekommenem Glamour. Insgesamt jedoch ist das Ergebnis fragwürdig: Es schleicht sich der Verdacht ein, daß hier nur eine Aufeinanderhäufung möglichst aktueller Formen und Inhalte von Kunst ohne tiefergehende Reflexion stattfindet. Kitsch, Frau, Video, Internet - alles da: Zu gewollt wirkt daher die Ausstellung, als ob auch noch der letzte Sponsor davon überzeugt werden müßte, es hier mit wirklich Zeitgenössischem zu tun zu haben. Fazit: "Moderne Kunst" für Menschen, die den "Jedermann" für den Höhepunkt der Salzburger Festspiele halten.

Bis 12. September. Museumsplatz 1, 5020 Salzburg