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Feuilleton

Kirche und Medien

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Hubalek zieht die Summe eines langjährigen Schaffens.

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Hubalek zieht die Summe eines langjährigen Schaffens.

Man kann subtil manipulieren, wenn man darunter die möglichst unauffällige Irreführung von Medienkonsumenten verstehen will. Mit Bildern vielleicht noch mehr als mit Worten. Wer strikte Objektivität vorspiegelt, führt schon in die Irre: Bereits im Auswählen, einer der wichtigsten Aufgaben des Journalisten, ist unvermeidlich Subjektivität. Er kann mit Wörtern Sachverhalte beschönigen oder Terror ausüben. Werbung will nicht nur zum Kauf, sondern zu einem Lebensstil verführen. Medienpädagogik müßte ernster genommen werden, in der Gesellschaft wie in der Kirche.

All das kann man in einem auf über 50jähriger Berufserfahrung beruhenden Buch nachlesen. Eine Fülle von Beispielen illustriert das Anliegen des Autors, der schon in den ersten Nachkriegsjahren als Radioprediger und später als "Fernsehkaplan" von Favoriten in Erscheinung trat, ehe er als Direktor des Medienzentrums des Unterrichtsministeriums und Lektor an der Universität gestaltend in die Medienerziehung eingreifen konnte. Moderne Lehrbehelfe und ein zeitgemäßer Zugang zur Massenkommunikation für mehrere Schüler- und Studentengenerationen waren die Früchte seines Schaffens.

Jetzt hat Franz Hubalek die reiche Ernte seines Wirkens in die Scheune eines Buches eingebracht, dessen Gedanken- und Themenfülle besticht, aber auch etwas verwirrt. Etwas unsystematisch sind Definitionen, Erläuterungen, Beschreibungen und Schlußfolgerungen in langen Assoziationsketten dargestellt. Der Kirche hält da ein studierter Theologe mit Recht Dokumente vor, die Vertreter der Kirchenleitung nicht genug ernst nehmen. Die Präsentation der Dokumente, Argumente und Beispiele schließt nicht immer an die Aktualtität an, aber Wesentliches fehlt nicht und die geforderten Konsequenzen bleiben auf jeden Fall aktuell - auch die an Wolfgang Beilner anschließende Empfehlung an katholische Medienleute: "Der Freimut ist eine Gabe, die genützt werden sollte."

Manipulation in den Medien - und die Kirche? Von Franz Hubalek. Edition Mosaic, Wien 1999. 352 Seiten, geb., öS 290,- /e 21,08,