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Kongolesische Symphonie

Fast zehn Millionen Menschen leben in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo.Die Megacity gehört zu den ärmsten Ballungsräumen der Welt. Was haben hier Beethoven, Ravel, Orff & Co zu suchen? Das "L’Orchestre Symphonique Kimbanguiste“, das einzige Symphonieorchester Zentralafrikas gibt es hier - kein professioneller Klangkörper, auch die Instrumente sind zum Gutteil Marke Eigenbau - und dennoch kommen Beethovens Neunte, der Boléro oder die Carmina Burana zu berührenden Ehren: Claus Wischmanns und Martin Baers Dokumentarfilm "Kinshasa Symphony“ taucht ein in die oszillierende Welt einer pulsierenden, aber bitter armen Großstadt und der Musik aus dem weit entfernten, reichen Norden. Mag ja sein, dass die Rede von der "völkerverbindenden Kraft“ der Musik ein Klischee ist: Der Film belehrt diesbezügliche Skeptiker eines Besseren. Wie des Deutschen Unkundige "Freude schöner Götterfunken“ in einer Open-Air-Arena trällern, ist unnachahmlich, ebenso das lateinische "O Fortuna“ in Carl Orffs betörender Komposition, die im afrikanischen Rhythmusgefühl mehr als gut aufgehoben ist.

Kinshasa Symphony

D 2010. Regie: Claus Wischmann,

Martin Baer. Waystone. 95 Min.

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