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"Krone“ & "Heute“ im "Bild“-Vergleich

1945 1960 1980 2000 2020
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Heute verliert den Chefredakteur, der dort erst im Februar gestartet ist. Da Wolfgang Ainetter zuvor bei Bild gearbeitet hat, steht nun auch der Unterschied zwischen deutschem und österreichischem Boulevard zur Diskussion. Dort das Größtblatt, hier die Kleinstformate. Dazu passt, dass einen Tag nach der Abgangsmeldung im Hause Eva Dichands der Star-Kolumnist in der Zeitung Christoph Dichands Pause hatte. Michael Jeannée war vor der Krone bei Bild. Von ihr stammt das Vorbild seiner Rubrik: "Post von Wagner“.

Die inhaltliche Klammer für diese Ereignisse liefert die Politik. Es geht um Kritik an Kanzler Werner Faymanns Facebook-Auftritt - in jenen Medien, wo der frühere Minister und Stadtrat am liebsten werben ließ: Krone und Heute, die Nr. 1 in Österreich und die Nr. 1 in Wien.

Unterdessen fällt im Blätterwald der Piefke-Ösi-Vergleich zwiespältig aus - und Evas Apfel nicht weit von Christophs Stamm: Bild ist die größte Zeitung Europas, die Krone global in den Top 50. Die Riesengazette (400 x 570 mm) erreicht täglich jeden sechsten Deutschen über 14. Doch die Zwergpostillen (196 x 265 mm) sind dominanter: 38 Prozent für die Krone in Österreich, 40 Prozent für Heute in Wien. Das Geschäftsmodell der Bild läuft dennoch besser: Konkurrent Spiegel mutmaßt dort 40 Prozent Umsatzrendite. Die deutsche Medienmarke gilt dank Internet-Erfolgs als zukunftsträchtig, Österreichs Mini-Tabloids hinken online hinterher. Der größte Unterschied liegt aber im Selbstverständnis: Bild ist nicht nur meistkritisierte sondern auch meistzitierte Zeitung des Landes. Sie sucht soeben die Annäherung zu ihrem bekanntesten Gegner Günther Wallraff.

Krone und Heute sind von solch Zukunftsorientierung und Vergangenheitsbewältigung viel weiter entfernt als vom Tode Hans Dichands 2010. Der Geist des Faymann-Mentors re(di)giert die Blätter von Sohn und Schwiegertochter.

* Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst