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Gottfried von Einems "Luzifers Lächeln" an der Kammeroper.

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Gottfried von Einems "Luzifers Lächeln" an der Kammeroper.

Hätte Gottfried von Einem seiner spiritistisch angehauchten Witwe Lotte Ingrisch wenigstens ein paar Takte Musik aus dem Jenseits diktiert, die Uraufführung von "Luzifers Lächeln" in der Wiener Kammeroper wäre eine nette Sache geworden. Doch statt der angekündigten letzten Oper des bedeutenden österreichischen Komponisten wurde ein Theaterstück aus der Feder von Frau Ingrisch geboten, das an einigen wenigen Stellen mit Musik - immerhin von Einem - gespickt ist: Bruchstücke tonaler Kammermusik, einige Lieder. Ein einziges Mal nur schwingt sich das Orchester zu opernmäßiger Fülle auf, dazu erheben die Sänger kraftvoll ihre Stimmen - ein letztes Aufflackern der Einemschen Tonkunst.

Wenn das Orchester verstummt und die Sänger sich in Sprechtheater üben, blüht das provinzielle Welterklärungstheater. Nicht, daß etwas an der Handlung auszusetzen wäre: Ein Engel wird auf die Erde strafversetzt, trifft dort auf einen Polizisten/Justizwachebeamten, ein naives Mädchen, einen Fetischisten, einen Transvestiten und einen Sodomiten, der einem Maikäfer verfallen ist und spendet ihnen allen Trost und Rat; schließlich begegnet er auch noch Luzifer, der eine Frau ist und obendrein gar nicht böse, und wird sein Diener. Frau Ingrisch malträtiert das Publikum dabei jedoch mit platter Metaphysik und naiver Theologie. Daß Gott und Luzifer eins, Hölle und Fegefeuer Stadien auf dem Weg zur Göttlichkeit seien und ähnliche Belehrungen muß der geduldige Zuseher über sich ergehen lassen.

Schade, denn abgesehen von dem unsäglichen Libretto hat alles gestimmt: Maxi Tschunko hat "Luzifers Lächeln" liebevoll als Zaubermärchen inszeniert und ausgestattet. Das wenige, was die Österreichischen Kammersymphoniker unter der Leitung von Peter Keuschnig zu tun hatten, vollzogen sie ohne Tadel; ebenso die Sänger, die allerdings (mangels Gelegenheit) nicht mit ihren Stimmen, sondern mit ihren mimischen Fertigkeiten glänzten.

Letzte Vorstellung: 12. Februar, 19 Uhr 30 Im November ist das Werk am Salzburger Landestheater zu sehen.

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