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Mitten im Dreizehnten

Der 13. Wiener Gemeindebezirk war nicht nur die Wirkungsstätte des legendenumwobenen alten Herrn in Schönbrunn, der sich bis ins hohe Alter um die Anhebung der Geburtenrate und die Verjüngung des Bezirkes redlich mühte. Auch so prominente Künstler wie Egon Schiele, Gustav Klimt, Johann Strauß oder Alban Berg ließen sich mitten im Dreizehnten zu bedeutenden Werken inspirieren. Ein kleines Paradies scheint das gewesen zu sein.

Und heute? Mit der Rettung der Klimtvilla brüsten sich die politischen Funktionäre, dabei ist sie einzig und allein dem Engagement der inzwischen verstorbenen Malerin Brigitte Feeg-Sautner zu verdanken. Am Klimthaus in der Wattmanngasse oder an der Schrattvilla wurden die Gedenktafeln eingespart. Die vom Gewerkschaftsbund verwahrloste, heute im Privatbesitz befindliche und restaurierte Villa Primavesi, ein Hauptwerk von Josef Hoffmann, ist von der Straßenseite kaum noch zu sehen; die im Originalzustand befindliche Wohnung von Alban Berg kann nur in Ausnahmefällen besichtigt werden.

Autos haben im Dreizehnten Vorrang. Die nach der Demolierung der einzigartigen Otto-Wagner-Station errichtete Hietzinger Brücke gehört zu den hässlichsten Bausünden der Stadt, verwahrloste Gemeindebauten und eine architektonisch völlig verunglückte Sporthalle haben den historischen Kern zerstört. Gast- und Kaffeehäuser versprühen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - den Charme der siebziger und achtziger Jahre. Jung, offen und lebendig ist hier kaum etwas.

Auf der Baustelle des Parkhotels prangte mehrere Wochen lang ein überlebensgroßes Foto des Bezirksvorstehers. Seit zwei Jahrzehnten ist er nun schon im Amt und wird es wahrscheinlich ewig bleiben. Irgendwann wird er in einem Berg sitzen und sein Bart wird sich um seinen Schreibtisch wickeln. Der Rote Berg ist dafür nicht so sehr geeignet, da schon eher jener, der nach dem Freiherrn von Künigl benannt wurde.

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