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Taktieren, lavieren, alles offenlassen

Früher war vieles einfacher. Die Sozialisten hatten ihren jüdischen Kanzler, der seinen Umgang mit einem kultivierten SS-Mann von einst wie dem damaligen Chef der Freiheitlichen pflegte, oder den langjährigen Kärntner Landeshauptmann, der Begräbnisse mit germanischen Runen in Tageszeitungen ankündigte. Die Harmonie im Land war dadurch nicht ernsthaft gestört. Wer links war, galt traditionell als antifaschistisch. Ein letztes Mal fühlten sich die Linken durch das Fehlverhalten eines Bundespräsidenten wie Kurt Waldheim und das Regierungsbündnis von Schwarz-Blau zum Bund gegen ewig gestriges Gedankengut geeint. Ihr verzweifelter Versuch, sich durch internationale Vernaderung zu stärken, brachte sie jedoch vollends in Misskredit.

Eine schlaue, wendige Persönlichkeit wie Jörg Haider nützte das politische Vakuum und machte sich und die Rechte wieder salonfähig. Niemand scherte sich um die radikalen Typen in seinem Umfeld. Längst hatte man jeden Ansatz von Haltung oder Weltanschauung über Bord geworfen.

In der Nachrichtensendung des staatlichen Fernsehens wurde ein Buch über die Beziehung Hitlers zu Eva Braun vorgestellt. Hitler sollte wohl als seniler Onkel Wolf für Quoten sorgen. Das bürgerliche Theater in der Josefstadt spielt einen seichten Schwank über Hans Moser. Eine Frau mit dem frommen Namen Rosenkranz bewirbt sich um das Amt des Bundespräsidenten und macht keinen Hehl aus ihrer undemokratischen, nationalsozialistischem Gedankengut keineswegs abholden Weltanschauung. Einige Journalisten widersprechen ihr heftig; einige Politiker mit äußerster Vorsicht, da sich doch der Medienzar des Landes für die germanische Mutter starkgemacht hatte, um sich kurz darauf wieder von ihr zu distanzieren.

Taktieren, lavieren und alle Möglichkeiten offenlassen; eine zutiefst österreichische Haltung. Wie beruhigend wäre es, wenn die richtigen Worte zur richtigen Zeit ausgesprochen würden.

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