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Wien ist nicht der Nabel der Welt

Bei dem vom ATV-Kulturmagazin "Highlights“ angeregten Treffen der Intendanten der Theater in den Bundesländern kritisierte die Chefin des Tiroler Landestheaters Brigitte Fassbaender, dass ihre Arbeit von "Wien“ mit Ignoranz und Arroganz nicht zur Kenntnis genommen wird. Josef E. Köpplinger stellte fest, dass die für sein Klagenfurter Stadttheater zuständige Bundesministerin von seiner Arbeit auch bei den Uraufführungen im Jubiläumsjahr keine Notiz nimmt. Wien, hieß es unisono, sei nicht der Nabel der Welt.

Tatsächlich ist so manche Produktion in den Ländern professioneller und attraktiver als die oft in eitler Selbstzufriedenheit präsentierten sogenannten Wiener Theaterereignisse. "Provinz“ ist auch in der Großstadt anzutreffen. Der Begriff vermittelt Grenzen und Enge; sie durch Fantasie und die mit ihr verbundenen Freiheiten zu sprengen, ist Aufgabe der Kunst. Die Theater der österreichischen Städte und Länder sind diesbezüglich gut unterwegs. So manche Produktion, die unter Mühen entstanden ist, möchte ich nicht missen. Es ist an der Zeit, so viel Lebenskraft nicht schamhaft zu verbergen. Ein österreichischer Theaterpreis, der von einer Wiener Bühne zur anderen gereicht und überreicht wird, gleicht einer Farce, und zwar einer ziemlich provinziellen. Auch die Wiener Festwochen würden sich keinen Stein aus ihrer luxuriösen Krone brechen, in ihrem Gastspielzirkus die eine oder andere auch im Ausland gefeierte Produktion einer Bundesländerbühne in Wien zu zeigen.

Die Bühnen der Städte und Länder müssen, im Gegensatz zu den traditionsreichen Großstadtbühnen, ihre Aufgabenstellung und Sinnfrage immer wieder überprüfen, oft sogar neu erfinden. Das rechtfertigt ihre Existenz immer wieder aufs Neue. Der Verkehr mit ihnen auf Augenhöhe ist nicht nur ein Gebot der Fairness, sondern eines, das der künstlerischen Realität entspricht.

* Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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