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Güte, die sich auszahlt II

Ich habe in meiner letzten Kolumne über das seltsame Wechselverhältnis von Gutherzigkeit und Belohnung gesprochen und will hier noch einen - biblischen - Schritt weiter gehen und das Buch Hiob behandeln. Satan fragt den Herrn, ob der gerechte Hiob denn nicht ein angenehmes Leben "für nichts" lebt. Indem er etwa für einen geopferten Bullen zehn als Belohnung bekommt, ist doch sein Opfer die denkbar beste Investition und Hiob wäre dumm, würde er nicht opfern/investieren. Nimm ihm diesen Segen, diese Belohnung weg, sagt Satan, und Hiob hört auf, dir anzuhängen. Oder anders gesagt: Teste, ob Hiob Gott fürchtet, oder ob er nur ein guter Wirtschafter ist, der eine Investitionsmöglichkeit nutzt. Dem guten Hiob wird daraufhin alles genommen - sein Vieh, sein Land, sein Vermögen, seine Kinder, seine Gesundheit.

Obwohl es vielleicht das schwierigste Buch der Bibel ist, scheint die Botschaft doch klar: Auch wenn du mich töten müsstest, und du mir alles wegnehmen würdest, was ich besitze, würde ich dir auf deinem Pfad folgen. Hiob tut Gutes um der Sache selbst willen, auch wenn es keine Belohnung für ihn gibt, auch wenn es ihm schadet und ihn leiden lässt.

Ähnlich ist es bei Kant: Wenn Gutes mit der Hinsicht auf Belohnung getan wird, ist es nicht mehr als solches gut, laut Kant hebt die Belohnung den moralischen Wert der Handlung auf. Das ist sehr streng. Trotzdem, das Gute der eigenen Natur kann nicht darauf basieren, dass es sich auszahlt.

Manchmal zahlt es sich nicht aus. Manchmal schon. Wenn jemand für die Belohnung gut ist, dann ist es gut, aber mit dem moralischem Kalkül einer Investition zu handeln, ist eine heikle Angelegenheit. Zahlt sich Gutherzigkeit aus? Es gibt keine Regel dafür. Und warum tut man es dann? Genau das ist die Antwort auf Satans verlorene Wette: "für nichts".

Der Autor ist Professor für Ökonomie an der Karlsuniversität Prag

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