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Heilsamer Stress für die Banken

Der nunmehr dritte auf EU-Ebene durchgeführte Stresstest, dessen Ergebnisse kürzlich publiziert wurden, diente der Einschätzung, wie krisenresistent die größten europäischen Bankengruppen und der Gesamtmarkt sind. Er kann medizinisch mit einem Belastungs-EKG verglichen werden. Getestet wurde, wie sich die Eigenkapitalbasis der Banken im Fall eines schweren wirtschaftlichen Schocks bis Ende 2012 verändert. Dabei hat die neue Europäische Bankaufsichtsbehörde EBA einerseits die Testannahmen gegenüber den Vorjahren spürbar verschärft, andererseits haben viele Banken seit dem letzten Stresstest neues Kapital geschöpft oder im Markt aufgenommen.

Die Kernkapitalquoten zweier teilnehmender österreichischer Großbanken bleiben im Stress-Ergebnis deutlich über der geforderten Fünf-Prozent-Schwelle. Sie liegen damit im Ranking aller 90 teilnehmenden Banken in der oberen Hälfte. Bei der dritten Bank blieb das Stress-Ergebnis zwar unter dem von EBA geforderten Minimum, sie hat aber eine Reihe notwendiger Sanierungsmaßnahmen bereits eingeleitet, allerdings nicht rechtzeitig zur Berücksichtigung im Stresstest. Die Aufsicht begleitet diesen Restrukturierungsprozess sehr aufmerksam.

Der EBA-Stresstest bestätigt: Österreichs Bankensektor ist generell krisenfest aufgestellt und kann sich im europäischen Markt behaupten. Eine weitere Stärkung der Qualität und Quantität der Eigenkapitalbasis ist jedoch wünschenswert und wird auch im Zuge der sogenannten Basel-3-Maßnahmen schrittweise über die nächsten Jahre umgesetzt.

Es darf nicht vergessen werden: Der Stresstest ist eine Momentaufnahme, die Herstellung eines krisenfesteren Bankensystems in Europa erfordert noch viel Zeit und Mühe.

* Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

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