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Jeder Dritte zahlt nichts

Sie kennen das sicher: Sie haben es eilig - und es geht einfach nichts weiter. Sie haben noch einen Termin, müssen den Zug erreichen, die Kinder abholen, und noch vieles andere - stecken aber fest. Sie stecken entweder mit dem Telefon in der "Bitte-warten-Schleife" eines Amtes oder mit ihrem Auto im Stau. Sie stehen mit dem Einkaufswagerl in einer Warteschlange vor der Kasse des Supermarktes. Und natürlich in der falschen, in der langsameren.

Das Warten in der Schlange kann verkürzt werden, so sagen zumindest die "Warteforscher". Die Wahrscheinlichkeit, daß es einem in einer anderen Warteschlange besser gegangen wäre als in der eigenen, beträgt bei drei Reihen immerhin zwei Drittel. Das auszurechnen, bedarf es aber eigentlich keiner Wissenschaft. Trotzdem gibt es wissenschaftliche Forschungen zum Thema "Warteschlangen" unter dem Titel: "Komplexe soziale Systeme mit spezifischen Regeln und Merkmalen" nunmehr seit über 40 Jahren.

Die Erkenntnisse dieser Forschungen haben - vor allem in den USA - recht praktische Folgen: während sich bei uns vor jedem Schalter eine Schlange bildet, sieht man in den amerikanischen Banken, Bahnhöfen oder Flughäfen immer nur eine einzige Schlange vor mehreren Schaltern: Jeweils der Vordere eilt zum nächste freien Schalter. Das verkürzt die Wartezeit beträchtlich.

Neidische Blicke auf die schnellere Nachbarreihe sind in Wien seit kurzen auch bei einer Bankfiliale am Schottentor out. Seit die Bankangestellten beschlossen haben, das "amerikanische" System einzuführen, ruft kaum jemand mehr ungeduldig: "Wieso dauert das da vorne so lange?"

Während die Sammelwarteschlange für Bankkunden Vorteile bringt, bringt sie für Hausfrauen und Hausmänner im Supermarkt keinen Zeitgewinn, im Gegenteil: Es geht zu viel Zeit verloren, wenn jeder erst von der Schlangenspitze zur Kasse traben muß, um dort seine Einkäufe auf das Band zu legen.

In Holland scheint es gelungen zu sein, das Problem zu lösen. Bei der Kette "Hoogvliet" hat man die Warteschlangen kurzerhand abgeschafft und wirbt mit dem Versprechen: Wer als Dritter an eine Kasse kommt, braucht seine Einkäufe nicht zu bezahlen. Das passiert jedoch höchst selten. Ein Computer registriert, daß ein Kunde gekommen ist, errechnet die Durchlaufzeit und gibt an, zu welchem Zeitpunkt wieviele Kassen geöffnet sein müssen. Das eingespielte Kasssenpersonal braucht sich nur an diesen Zeitplan zu halten.

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