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Die Wahrheit des Tieres

Pfarrer, Philologe, Maler — oder „Am Anfang war das Wort“. Insofern kann man eine Entwicklung im beruflichen Wechsel von Franz Marc,, der zusammen mit Wassily Kandinsky die Redaktion des „Blauen Reiters“ 1911 gegründet hatte, sehen.

Was Marc schließlich zur Tiermalerei trieb, versucht Wolf Stadler in „Mit den Augen der Tiere“ begreiflich und sichtbar zu machen.

„Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur Animalisie-rung der Kunst, als das Tierbild“, so Marcs Beitrag zur Abkehr vom Impressionismus.

Zugang zu einer „inneren Wahrheit“ führt bei ihm zu einer Reproduktion der Welt, aber so, wie sie die Tiere sehen. Durch Kandinsky bestritt Marc seinen Weg von einer „Beliebigkeit“ der Farben zu einer Ausdrucksfarbe, zu einer Orchestrierung der Farbe, um vollständige Farbharmonien zu erzielen — damals für viele, noch dem Naturalismus Verhaftete, war ein blaues Pferd unverständlich.

Erst seine letzten Bilder sind frei von Gegenständlichem und zeigen eine abstrakte Formensprache, die eine große Affinität zum gleichzeitig entstandenen Werk Kandinskys aufweist.

FRANZ MARC. MIT DEN AUGEN DER TIERE. Von Wolf Stadler. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1986. 45 Seiten, 25 Farbbilder, geb., öS 154,40.

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