VW - © Foto: APA / AFP / Odd Andersen
Nachruf

Der letzte Patriarch der Autoindustrie

1945 1960 1980 2000 2020
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Ohne ihn war im VW-Imperium nichts zu machen. Ferdinand Piëch, der Enkel des „Käfer“-Erfinders Ferdinand Porsche und langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef bei VW, ist am Sonntag plötzlich in Rosenheim verstorben. Der gebürtige Österreicher wurde 82. Mit seinem Tod geht eine Ära zu Ende. Er formte VW in seiner Zeit als Vorstandschef zum weltumspannenden Multimarken-Konzern. Als Jahrhundert-Manager, genialen Ingenieur und Visionär würdigten den Verstorbenen Weggefährten und Analysten. Der gelernte Maschinenbauer startete seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Seinen Ruf als Konstrukteur erwarb sich Piëch bei Audi in Ingolstadt.

1988 rückte er an die Spitze der VW-Tochter, die er zu einer Erfolgsmarke machte. 1993 wurde er schließlich nach Wolfsburg geholt, um den in die Krise geschlitterten Konzern zu sanieren. In Piëchs Ägide fiel auch die Übernahme von Porsche durch VW. Bis 2002 lenkte er die Geschicke des Unternehmens unangefochten als Vorstandschef, danach leitete er den Aufsichtsrat. Piëchs Ruf als Manager war legendär, sein autoritärer Führungsstil gefürchtet. Ebenso machtbewusst focht er die Intrigen vor und hinter den Kulissen aus. Dem letzten Machtkampf fiel er schließlich selbst zum Opfer. 2015 entfremdete sich Piëch von Konzernchef Martin Winterkorn und wollte ihn als seinen Nachfolger im Aufsichtsrat verhindern. Weil er sich auch mit seinem Cousin Wolfgang Porsche und den weiteren Aufsichtsräten überworfen hatte, stellten sich diese aber hinter Winterkorn. Piëch und seine Frau Ursula verließen den Aufsichtsrat.

Die von Piëch geprägte Führungskultur wird auch mitverantwortlich für den Dieselskandal gemacht. Die Ingenieure hätten aus Angst lieber Abgaswerte manipuliert, anstatt einzugestehen, dass die Vorgaben der Konzernführung nicht zu erfüllen waren. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller leitete deshalb einen Kulturwandel ein. Vor einem Patriarchen wie Piëch solle kein Mitarbeiter mehr zittern müssen. Schon 2017 stieg Piëch selbst ganz aus dem Konzern aus. Seine Anteile an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE verkaufte er an Verwandte. Auch nach seinem Tod hat die Dynastie Porsche-Piëch weiter das Sagen.

Ohne ihn war im VW-Imperium nichts zu machen. Ferdinand Piëch, der Enkel des „Käfer“-Erfinders Ferdinand Porsche und langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef bei VW, ist am Sonntag plötzlich in Rosenheim verstorben. Der gebürtige Österreicher wurde 82. Mit seinem Tod geht eine Ära zu Ende. Er formte VW in seiner Zeit als Vorstandschef zum weltumspannenden Multimarken-Konzern. Als Jahrhundert-Manager, genialen Ingenieur und Visionär würdigten den Verstorbenen Weggefährten und Analysten. Der gelernte Maschinenbauer startete seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Seinen Ruf als Konstrukteur erwarb sich Piëch bei Audi in Ingolstadt.

1988 rückte er an die Spitze der VW-Tochter, die er zu einer Erfolgsmarke machte. 1993 wurde er schließlich nach Wolfsburg geholt, um den in die Krise geschlitterten Konzern zu sanieren. In Piëchs Ägide fiel auch die Übernahme von Porsche durch VW. Bis 2002 lenkte er die Geschicke des Unternehmens unangefochten als Vorstandschef, danach leitete er den Aufsichtsrat. Piëchs Ruf als Manager war legendär, sein autoritärer Führungsstil gefürchtet. Ebenso machtbewusst focht er die Intrigen vor und hinter den Kulissen aus. Dem letzten Machtkampf fiel er schließlich selbst zum Opfer. 2015 entfremdete sich Piëch von Konzernchef Martin Winterkorn und wollte ihn als seinen Nachfolger im Aufsichtsrat verhindern. Weil er sich auch mit seinem Cousin Wolfgang Porsche und den weiteren Aufsichtsräten überworfen hatte, stellten sich diese aber hinter Winterkorn. Piëch und seine Frau Ursula verließen den Aufsichtsrat.

Die von Piëch geprägte Führungskultur wird auch mitverantwortlich für den Dieselskandal gemacht. Die Ingenieure hätten aus Angst lieber Abgaswerte manipuliert, anstatt einzugestehen, dass die Vorgaben der Konzernführung nicht zu erfüllen waren. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller leitete deshalb einen Kulturwandel ein. Vor einem Patriarchen wie Piëch solle kein Mitarbeiter mehr zittern müssen. Schon 2017 stieg Piëch selbst ganz aus dem Konzern aus. Seine Anteile an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE verkaufte er an Verwandte. Auch nach seinem Tod hat die Dynastie Porsche-Piëch weiter das Sagen.