
Man konnte Herbert Kickl seinen Genuss aus dem Gesicht ablesen, als er vergangene Woche erstmals vor die Medien trat, nachdem ihn Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit der Regierungsbildung beauftragt hatte. In einer ausführlichen Rede erklärte er, es falle ihm nicht leicht, mit der Volkspartei und ihrem neuen Chef Christian Stocker überhaupt zu reden, nach allem, was passiert sei. Passiert ist, dass unzählige ÖVP-Funktionäre wie Stocker monatelang bei jeder Gelegenheit ihr Misstrauen zu ihm kundtaten und ihn als „Sicherheitsrisiko“ bezeichneten. Und nun will eben jene ÖVP mit Kickl über eine Koalition verhandeln, ihn zum ersten FPÖ-Kanzler machen. Für Kickl ist es die größtmögliche Genugtuung. Er beleidigt und erniedrigte den möglicherweise zukünftigen Koalitionspartner, indem er einerseits „die Hand ausstreckt“ und gleichzeitig betont, er sei vor der Unverlässlichkeit der ÖVP gewarnt worden.
Wunsch nach Vergeltung
Es ist die süße Rache eines Mannes, dem – zumindest in seinen Augen – Unrecht widerfahren ist. Aus Sicht des Gekränkten besteht die Ungerechtigkeit darin, dass Sebastian Kurz im Nachhall der Ibiza-Affäre den Bundespräsidenten um die Entlassung Kickls als Innenminister bat.

