Tapetentür, Hofburg - © Foto:APA / Georg Hochmuth
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Wer glaubt noch an Österreich?

Das Leuchtturmprojekt eines zukunftsfähigen, kreativen und mutigen Landes, das Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner vielbeachteten Neujahrsrede entwarf, hat sich wenige Tage später verflüchtigt. Eine politische Selbstaufgabe, die nicht zu akzeptieren ist.

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Er glaube an „ein Land, das es seit frühen Tagen versteht, Konflikte nicht in Unversöhnlichkeit enden zu lassen, sondern Gegensätze zu verheiraten. In so einem Land möchte ich leben“: Das sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Neujahrstag. Und ja, wer möchte das nicht?

Keine zwei Tage nach dieser inspirierenden Neujahrs-Vision wurde der Appell zur Zusammenarbeit von der parteipolitischen Realität hinweggefegt. Die Neos haben sich lautstark aus den laufenden Koalitionsverhandlungen mit ÖVP und SPÖ zurückgezogen. Ursache aus Sicht von Parteichefin Beate Meinl-Reisinger: fehlender Reformwille bei Föderalismus, Pensionen, Gesundheitssystem und Einfluss der Parteien.

Da wird schon einiges dran sein. In Kenntnis der beiden anderen, genuin strukturkonservativen Verhandlungspartner, deren Wählerschaft mittlerweile zu beträchtlichen Teilen aus Seniorinnen bzw. Senioren besteht und deren Funktionäre in Ländern, Gemeinden und Sozialpartnerschaft angesichts der Botschaft „Kein Weiter wie bisher“ um Macht und Einfluss fürchten, kann man sich das Gezerre mit den nassforschen Neos im Palais Epstein lebhaft vorstellen.

So verständlich der pinke Hinschmiss ist, so unverzeihlich ist er aber mit Blick auf die staatspolitische Verantwortung. Denn das offensichtliche Versagen der drei Verhandler, zwischen budgetärem Sanierungszwang und wettbewerbsstärkender Investitionspflicht ein gemeinsames Bild eines zukunftsfähigen Österreich zu entwerfen, ebnet nur den gefährlichen Vereinfachern und Systemsprengern den Weg.

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