Das Leben ist nicht nur ein Hit

Ö3 - das Leben ist ein Hit!" steht auf Plakaten zu lesen und ist ständig im Radio zu hören. Das Leben - ein Hit. Diese Botschaft kommt gut an in der Spaß- und Erlebnisgesellschaft. Freude am Leben - was kann es Schöneres geben? Und entspricht diese "Message" nicht zutiefst der biblischen Botschaft, das Leben sei ein Geschenk Gottes?

Zwischen Hit und Geschenk besteht freilich ein gewisser Unterschied. Wer ein Geschenk macht, will nicht nur Freude bereiten, sondern auch Wertschätzung und vielleicht sogar Zuneigung ausdrücken. Beim Hit geht es um das große Geschäft. Hitlisten sind wie Börsenkurse, die Gewinn und Verlust notieren. Wer heute an die Spitze katapultiert wird, ist morgen vielleicht schon wieder vergessen. Nur wenige Hits haben das Zeug zu einem Evergreen, pardon: "Oldie". So jung kann man schon alt aussehen!

Die Unbarmherzigkeit der Musikbranche ist eine verräterische Metapher für die Lebenssicht, die hinter dem Ö 3-Slogan steht. Was ist mit dem Leben, wenn es fad oder gar mühsam wird? Mustern wir es dann aus wie die alten Songs, die keiner mehr hören will? Und was, wenn das Leben eines Menschen überhaupt gar kein Hit, kein Event und keine Erfolgsstory ist, sondern ein Flop? Dann heißt es offenbar: abschalten, wegsehen, oder: zurück an den Absender.

Die Bibel hat eine tiefere Sicht des Lebens und seiner Abgründigkeiten. Das Leben ist nicht nur Geschenk, sondern auch Aufgabe und unter Umständen eine harte Bewährungsprobe. "Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin", bricht es aus Hiob in seinem Elend heraus. "Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast", hadert der Prophet Jeremia mit seinem Schicksal und seinem Gott. In solchen Momenten das Leben dennoch zu bejahen, dazu bedarf es eines Vertrauens und eines Mutes, den die Bibel Glauben nennt.

Ulrich H. J. Körtner ist Professor für Systematische Theologie H.B. an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

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