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Martin Bucer - Reformator und Ökumeniker

Vor 450 Jahren, am 1. März 1551, starb Martin Bucer. Der Reformator von Strassburg stand lange Zeit im Schatten der anderen Reformatoren Luther, Zwingli, Melanchthon und Calvin.

Bucer verdient jedoch nicht nur deshalb Erwähnung, weil auf ihn die Praxis der evangelischen Konfirmation zurückgeht. Vor allem gilt Bucer als großer Ökumeniker.

Im 16. Jahrhundert fand sein ökumenisches Engagement weniger Verständnis als heute. Dabei hat sich Bucer für die Aussöhnung nicht nur zwischen Lutheranern und Zwinglianern, sondern auch zwischen Protestanten und Katholiken eingesetzt. Das war allen Parteien verdächtig, die davon überzeugt waren, dass sich die Wahrheit des Glaubens nur auf einer Seite - selbstverständlich der eigenen - finden ließe.

So stieß Bucer auf Kritik und Misstrauen. Man bezeichnete ihn als Fanatiker, der die Wahrheit auf Kosten der ersehnten Einheit opferte, als wendigen Diplomaten, der mit Formeln jonglierte und sich anstelle eines wirklichen Konsenses mit Scheinlösungen zufrieden gab.

Neuere Forschungen zeigen, dass die zeitgenössische Kritik Bucer nicht gerecht wird. Keineswegs betrachtete Bucer die Einheit der Christenheit als Selbstzweck. An ihr hing für ihn nicht das Kirchesein der Kirche. Wesentlich war für ihn jedoch die Erkenntnis, dass für die Einheit im Glaube eine Übereinstimmung im Grundlegenden ausreiche. Bucer hielt es für falsch, jemandem die Gemeinschaft aufzukündigen, selbst wenn man von dessen Irrtum überzeugt sei.

Er schrieb: "Wenn man sofort denjenigen als vom Geist Christi verlassen verurteilen will, der nicht ganz genau so urteilt, wie man selbst; wenn frage ich, kann man dann noch als Bruder ansehen?"

In der gegenwärtigen Krise der Ökumene, wo das Trennende wieder im Vordergrund steht, gewinnen Bucers Einsichten ungeahnte Aktualität.

Ulrich H. J. Körtner ist Professor für Syste-matische Theologie H.B. an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

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