
Angesichts der verbreiteten Aneignung von Yoga für zeitgenössische Ziele wie Fitness und Selbstoptimierung klingt der Titel von Stefan Weidners Buch zunächst seltsam: „Yoga oder Die sanfte Eroberung des Westens durch den Osten“. Eher erscheint es so, dass diese uralte Praxis heute ebenso von westlichen Triebkräften erobert wurde wie andere spirituelle Exportartikel aus dem „Osten“. So sprechen Kritiker wie Ronald Purser schon lange von der neuen „Spiritualität des Kapitalismus“ (siehe dazu auch den Artikel „Die gekaperte Achtsamkeit“).
Doch wenn man die Brille der Gegenwart einmal abnimmt und sich vom Islamwissenschafter Stefan Weidner auf eine Reise in die historischen Tiefen des Yoga mitnehmen lässt, dann reibt man sich tatsächlich die Augen. Es sind bislang verborgene Geschichten, die hier zutage gefördert werden und einen faszinierenden Blick auf das heute globale Kulturphänomen eröffnen.
Entdeckung des Yoga-Sutra
Eine davon beginnt in Istanbul, wo ein französischer Wissenschafter im Jahr 1912 eine aufregende Entdeckung macht: In der Köprülü-Bibliothek stößt Louis Massignon am Rand eines Manuskripts auf winzige Schriftzüge. Er kann es kaum glauben, als er darin die verschollene arabische Übersetzung des Yoga-Sutra (Lehrrede) von Patanjali erkennt. Sie stammt vom muslimischen Universalgelehrten al-Biruni um 1000 n. Chr.; der Ursprungstext aus dem 4. oder 5. Jahrhundert n. Chr. gilt als eine der wichtigsten Quellen des Yoga.





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