
Eine kilometerlange Schlange von Menschen schiebt sich die Küstenstraße entlang. Tausende Palästinenser haben sich auf den Weg zurück in ihre Heimatorte im Norden des Gazastreifens gemacht. Bereits am Weg finden einige von ihnen Familienmitglieder wieder, die sie seit 15 Monaten nicht mehr gesehen haben. Sie liegen sich in den Armen, weinen und lachen zur selben Zeit. Die letzte gemeinsame Erinnerung vieler ist ein ähnlicher Marsch, der in die umgekehrte Richtung verlief: Israel hatte die Bewohner Nordgazas zu Beginn des Krieges im Oktober 2023 aufgefordert, die Gegend zu verlassen. Eine Million Palästinenser musste damals in den Süden fliehen und ihr Zuhause zurücklassen.
Durch den Netzarim-Korridor
Den Vereinten Nationen zufolge haben sich seit Mittwoch bereits „Hunderttausende“ auf den Weg durch den Netzarim-Korridor gemacht, der den Norden Gazas vom Süden trennt. Die Terrororganisation Hamas rechnet damit, dass die Zahl in den kommenden Tagen auf 600.000 steigen wird. Wer mit dem Auto passieren will, wird auf Waffen kontrolliert. Das war eine der Bedingungen von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu für die Waffenruhe mit der Hamas. Die Rückkehrer erwartet eine ungewisse Zukunft: kaum Infrastruktur, kaum Trinkwasser, kaum ein Haus, das noch steht. Und was nach der auf sechs Wochen angelegten Waffenruhe geschieht, weiß sowieso niemand.
Diesen Artikel lesen Sie unter dem Titel „Rückkehr ins Ungewisse“ in der Printausgabe der FURCHE vom 30. Jänner 2025.

