In seiner Abschiedsvorlesung machte der Grazer Pastoraltheologe und langjährige FURCHE-Kolumnist Rainer Bucher Anmerkungen zu den aktuellen Konstellationen der Theologie. Hier seine Rede im Wortlaut.
Für die Gesellschaft wie für die Kirche scheinen die Zeiten nicht rosig. Aber wer sich darauf einlässt, der entdeckt Aussichten. Gerade in christlicher Perspektive.
Fürsorglicher Schutz und umfassende Kontrolle: Diese eigentümliche Symbiose wurde vom Christentum eingeführt – und ist nun an den Staat weitergewandert.
Propheten sind oft gar nicht einfache Zeitgenossen, deren Vordenken wiederholt in tiefe Konflikte mit dem jeweils zeitgenössischen Mainstream geführt hat. Das Zeugnis des Dietrich Bonhoeffer ist beispielhaft dafür.
Über zehn Jahren durfte ich diese Kolumne schreiben. Es war mir stets eine Freude und eine Ehre. Immerhin konnte ich darauf hoffen, von Ihnen zumindest ab und zu gelesen zu werden. Dies ist meine letzte Kolumne. Es ist Zeit, dass andere ihre Sicht der Dinge vorschlagen. Denn jeder und jede hat etwas zu sagen in Glaubensdingen. Theologie ist kein Glasperlenspiel. Letztlich geht es darum herauszufinden, ob die alten und ehrwürdigen Begriffe der christlichen Tradition heute noch etwas zu sagen haben, und fast wichtiger noch, heute einen Unterschied machen, der einen wirklichen Unterschied
"Mission" ist ein ziemlich belastetes Wort. Es hat eine lange Gewaltgeschichte. Man muss den Missionsbegriff also neu denken. Der französische Jesuit Michel de Certeau hat dies schon vor Jahren getan. "'Missionarisch' zu sein", so de Certeau, "heißt für die Kirche, zu anderen Generationen, zu fremden Kulturen, zu neuen menschlichen Strebungen zu sagen:'Du fehlst mir' - nicht so, wie ein Grundbesitzer über das Feld seines Nachbarn spricht, sondern wie ein Liebender.""Mission" bedeutet, drei Größen in ein heilvolles, aber auch risikoreiches Spiel zu bringen: Gott, denn ihn und nur ihn
Die Evangelien waren mir immer näher als Paulus. Ihre dramatischen Erzählungen, poetischen Gleichnisse, die kraftvollen Worte und Wunder Jesu: Sie trafen mich stärker als die subtilen Reflexionen des Paulus.Natürlich kannte und schätze ich dessen Highlights: Das Was kann uns trennen von der Liebe Christi? in Röm 8 oder das Hohelied der Liebe in 1 Kor 13, das die Liebe über die Hoffnung und selbst über den Glauben stellt. Doch obwohl ich wusste, dass Paulus zeitlich vor den Evangelien schrieb, kam er mir irgendwie sekundär vor, zu reflexiv, nicht unmittelbar.Dann las ich das
Zwei Postkarten mit Sentenzen Albert Einsteins liegen seit einiger Zeit auf meinem Schreibtisch: "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein". Und: "Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur darin zurechtfinden". Einstein war bekanntlich kein Theologe und seine Religiosität war einigermaßen unkonventionell. Diese Sentenzen sind aber ausgesprochen hilfreich, gerade für religiöse Menschen.Der erste Satz warnt vor den Gefahren einer allzu selbstverständlichen religionsgemeinschaftlichen Existenz. Er warnt auch religiöse
Nach dem Kirchenrecht ist vermutlich alles korrekt gelaufen. Wer Spielregeln verletzt, wird vom Platz gestellt, bis er Einsicht zeigt. Obwohl man natürlich fragen könnte, ob es nicht auch genügt hätte festzustellen, dass das Ehepaar Heizer mit seinen Freunden keine Eucharistiefeier im Sinne der katholischen Kirche gefeiert hat. Nach dem sakramententheologischen Mainstream ist auch alles korrekt gelaufen. Wenn Sakramente "von ihrem Wesen her eine Feier der ganzen Kirche“ sind, "kann es so etwas wie eine ‚private Eucharistiefeier‘ gar nicht geben“ (Bischof Scheuer). Obwohl man
Religionen und KapitalismusEs ist höchste Zeit, wieder über den Kapitalismus zu reden. Lange war ja selbst der Begriff verpönt, Sieger finden schnell eigene, schönere Worte für sich: Marktwirtschaft, zum Beispiel, oder gar soziale Marktwirtschaft. Jetzt, da die Deregulierung der Finanzmärkte und die Überschuldung der Staaten ziemlich vieles in den Abgrund zu ziehen droht, wagt man die herrschende Realität wenigstens wieder als das zu benennen, was sie ist: die ziemlich unverhohlene Herrschaft des Kapitals und seines verdinglichten Denkens.Offensichtlich ist etwas passiert. Claus