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Feuilleton

All das Vergangene, 2. Teil

1945 1960 1980 2000 2020

Ashgar Farhadi verlässt mit "Offenes Geheimnis" den iranischen Kulturkreis und versucht sich an einer Zerrüttung in Spanien.

1945 1960 1980 2000 2020

Ashgar Farhadi verlässt mit "Offenes Geheimnis" den iranischen Kulturkreis und versucht sich an einer Zerrüttung in Spanien.

Seit dem Erfolg der filmischen Beziehungszerrüttung "Nader und Simin" (2011) spielt der iranische Regisseur Ashgar Farhadi in der Weltliga des Arthausfilms eine große Rolle, die er mit "Le passé -All das Vergangene" (2013) sowie zuletzt in der Teheraner Arthur-Miller-Paraphrase "The Salesman"(2016) eindrucksvoll bestätigte.

Nun verlässt er filmisch den iranischen Kulturkreis und siedelt seine neue emotionale Achterbahn auf der iberischen Halbinsel an: In "Offenes Geheimnis" gelingt Farhadi aufs Neue das Ausleuchten und Ausloten von menschlichen Abgründen, die er in einer ganz und gar nicht heimeligen Sippschaft mitten in Spanien mit allerlei Verwicklungen über den Ozean nach Argentinien hin verortet.

Laura, die in Argentinien lebt, kommt nach Jahren zu ihrer Familie in der Nähe von Madrid, um die Hochzeit ihrer Schwester Ana mitzufeiern. Gespons Alejandro musste in Argentinien zurückbleiben, aber ihre beiden Kinder, Teenager Irene und der kleine Diego, sind mit von der Partie.

Lauras Vater Antonio, der viele seiner Ländereien verkaufen musste, ist ob seines Schicksal verhärmt. Und Paco, Lauras Jugendliebe, hat sich vom Dienstbotenkind zum geachteten Winzer emporgearbeitet; seine -kinderlose -Ehe mit Bea scheint glücklich. Ein Wiedersehen unter Verwandten und Freunden, die einander lange nicht gesehen haben, so sieht es aus, und die Hochzeit von Ana gerät auch alsbald zum rauschenden Fest.

Doch die familiäre Idylle zerbricht, als Tochter Irene verschwindet -und bald jede/r jede/n verdächtigt. Stück für Stück kommen die Abgründe zum Vorschein: Lauras Vater, einst der Großgrundbesitzer des Dorfes, hat ob seiner Spielsucht seine Ländereien großteils verloren. Das Weingut von Paco hat dieser von Laura einst zum Spottpreis gekauft, was ihm der Alte nicht verzeihen mag. Und Ehemann Alejandro, der aus Argentinien herbeieilt, um bei der Suche nach Irene zu helfen, ist auch nicht mehr der wohlhabende Lateinamerikaner, für den ihn das Dorf noch hält.

Keine Konstellation bietet Gewissheit

Der Plot von "Offenes Geheimnis" hält Twist um Twist bereit. Wenn sich der Zuschauer zurechtzufinden beginnt, ist alles wieder ganz anders mit den Beziehungs-Konstellationen und der verschwiegenen Vergangenheit der Protagonisten. Wie sehr die einstige Liebe zwischen Paco und Laura wirklich verflossen ist, bleibt dabei bloß eine der Fragen, mit denen Farhadi sein Publikum immer wieder in die Irre führt. Keine Konstellation bietet Gewissheit, und kein Verhältnis ist wirklich klar.

Penélope Cruz und Javier Bardem spielen das Nicht-mehr-Paar Laura und Paco, Ricardo Darín gibt Ehemann Alejandro. Allein diese Besetzung macht "Offenes Geheimnis" zum Filmerlebnis, auch wenn man Farhadis neuem Opus anmerkt, dass er sich in seinen anderen Filmen leichter getan hat, den kulturellen Kosmos authentisch auf die Leinwand zu bringen. Im iranischen Setting ist dieser Regisseur, wie er zuvor bewiesen hat, zu Hause. Im iberischen Kolorit erweist er sich hingegen als weniger firm -was aber eher unterschwellig auffällt als in den großen Bögen der Erzählung.

Seit dem Erfolg der filmischen Beziehungszerrüttung "Nader und Simin" (2011) spielt der iranische Regisseur Ashgar Farhadi in der Weltliga des Arthausfilms eine große Rolle, die er mit "Le passé -All das Vergangene" (2013) sowie zuletzt in der Teheraner Arthur-Miller-Paraphrase "The Salesman"(2016) eindrucksvoll bestätigte.

Nun verlässt er filmisch den iranischen Kulturkreis und siedelt seine neue emotionale Achterbahn auf der iberischen Halbinsel an: In "Offenes Geheimnis" gelingt Farhadi aufs Neue das Ausleuchten und Ausloten von menschlichen Abgründen, die er in einer ganz und gar nicht heimeligen Sippschaft mitten in Spanien mit allerlei Verwicklungen über den Ozean nach Argentinien hin verortet.

Laura, die in Argentinien lebt, kommt nach Jahren zu ihrer Familie in der Nähe von Madrid, um die Hochzeit ihrer Schwester Ana mitzufeiern. Gespons Alejandro musste in Argentinien zurückbleiben, aber ihre beiden Kinder, Teenager Irene und der kleine Diego, sind mit von der Partie.

Lauras Vater Antonio, der viele seiner Ländereien verkaufen musste, ist ob seines Schicksal verhärmt. Und Paco, Lauras Jugendliebe, hat sich vom Dienstbotenkind zum geachteten Winzer emporgearbeitet; seine -kinderlose -Ehe mit Bea scheint glücklich. Ein Wiedersehen unter Verwandten und Freunden, die einander lange nicht gesehen haben, so sieht es aus, und die Hochzeit von Ana gerät auch alsbald zum rauschenden Fest.

Doch die familiäre Idylle zerbricht, als Tochter Irene verschwindet -und bald jede/r jede/n verdächtigt. Stück für Stück kommen die Abgründe zum Vorschein: Lauras Vater, einst der Großgrundbesitzer des Dorfes, hat ob seiner Spielsucht seine Ländereien großteils verloren. Das Weingut von Paco hat dieser von Laura einst zum Spottpreis gekauft, was ihm der Alte nicht verzeihen mag. Und Ehemann Alejandro, der aus Argentinien herbeieilt, um bei der Suche nach Irene zu helfen, ist auch nicht mehr der wohlhabende Lateinamerikaner, für den ihn das Dorf noch hält.

Keine Konstellation bietet Gewissheit

Der Plot von "Offenes Geheimnis" hält Twist um Twist bereit. Wenn sich der Zuschauer zurechtzufinden beginnt, ist alles wieder ganz anders mit den Beziehungs-Konstellationen und der verschwiegenen Vergangenheit der Protagonisten. Wie sehr die einstige Liebe zwischen Paco und Laura wirklich verflossen ist, bleibt dabei bloß eine der Fragen, mit denen Farhadi sein Publikum immer wieder in die Irre führt. Keine Konstellation bietet Gewissheit, und kein Verhältnis ist wirklich klar.

Penélope Cruz und Javier Bardem spielen das Nicht-mehr-Paar Laura und Paco, Ricardo Darín gibt Ehemann Alejandro. Allein diese Besetzung macht "Offenes Geheimnis" zum Filmerlebnis, auch wenn man Farhadis neuem Opus anmerkt, dass er sich in seinen anderen Filmen leichter getan hat, den kulturellen Kosmos authentisch auf die Leinwand zu bringen. Im iranischen Setting ist dieser Regisseur, wie er zuvor bewiesen hat, zu Hause. Im iberischen Kolorit erweist er sich hingegen als weniger firm -was aber eher unterschwellig auffällt als in den großen Bögen der Erzählung.