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Feuilleton

Alle kümmert's, wer spricht

1945 1960 1980 2000 2020
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Wen kümmert's, wer spricht, hat jemand gesagt, wen kümmert's, wer spricht", zitierte Michel Foucault in seinem Vortrag "Was ist ein Autor?" Samuel Beckett, um danach über die "Funktion Autor" zu sprechen. Aus gegenwärtiger Sicht, Jahrzehnte danach, kann man nur antworten: Alle kümmert's, wer spricht. Ein Werk von Peter Handke etwa wird völlig anders wahrgenommen als das einer Debütantin, deren Namen noch niemand kennt. Der Name macht das Werk. Dass es auch nicht egal ist, ob's eine Frau ist oder ein Mann, die oder der Kunst macht, erzählt Siri Hustvedts empfehlenswerter und ebenso kluger wie komplexer Roman "Die gleißende Welt"(Rowohlt 2015). Schon der erste Satz verweist aufs Thema: "Alle intellektuellen und künstlerischen Unterfangen, sogar Witze, ironische Bemerkungen und Parodien, schneiden in der Meinung der Menge besser ab, wenn die Menge weiß, dass sie hinter dem großen Werk oder dem großen Schwindel einen Schwanz und ein Paar Eier ausmachen kann." Die Künstlerin Harriet Burden erreicht Anerkennung durch den Kunstbetrieb nur, indem sie Männer als Schöpfer ihres Werkes ausgibt - schon gibt's Applaus und Erfolg. Doch die triumphale und den Kunstbetrieb blamierende Enthüllung, dass sie die Künstlerin ist, geht jedes Mal schief. Hustvedts anspielungsreicher und theoriegespeister Roman führt nicht nur tief in die Welt der Kunst, die Autorin beherrscht auch selbst das Maskenspiel der Literatur, indem sie den vielen Figuren und Interessen unterschiedliche Stile und Stimmen verleiht.

In Kritiken zu Hustvedts Romanen fehlt selten der Hinweis, dass sie mit Paul Auster verheiratet ist - umgekehrt gibt's diese Information kaum. Dass Meike Feßmann etwa ihre Besprechung eben damit begann, belegt (unfreiwillig) die Brisanz dessen, wovon Hustvedts Roman erzählt, wohl ebenso wie die Bildunterschrift, die die Süddeutsche dazulieferte: "So langsam läuft die 1955 in Minnesota geborene Schriftstellerin Siri Hustvedt ihrem berühmten Mann Paul Auster den Rang ab." Da hat man's.

Wen kümmert's, wer spricht, hat jemand gesagt, wen kümmert's, wer spricht", zitierte Michel Foucault in seinem Vortrag "Was ist ein Autor?" Samuel Beckett, um danach über die "Funktion Autor" zu sprechen. Aus gegenwärtiger Sicht, Jahrzehnte danach, kann man nur antworten: Alle kümmert's, wer spricht. Ein Werk von Peter Handke etwa wird völlig anders wahrgenommen als das einer Debütantin, deren Namen noch niemand kennt. Der Name macht das Werk. Dass es auch nicht egal ist, ob's eine Frau ist oder ein Mann, die oder der Kunst macht, erzählt Siri Hustvedts empfehlenswerter und ebenso kluger wie komplexer Roman "Die gleißende Welt"(Rowohlt 2015). Schon der erste Satz verweist aufs Thema: "Alle intellektuellen und künstlerischen Unterfangen, sogar Witze, ironische Bemerkungen und Parodien, schneiden in der Meinung der Menge besser ab, wenn die Menge weiß, dass sie hinter dem großen Werk oder dem großen Schwindel einen Schwanz und ein Paar Eier ausmachen kann." Die Künstlerin Harriet Burden erreicht Anerkennung durch den Kunstbetrieb nur, indem sie Männer als Schöpfer ihres Werkes ausgibt - schon gibt's Applaus und Erfolg. Doch die triumphale und den Kunstbetrieb blamierende Enthüllung, dass sie die Künstlerin ist, geht jedes Mal schief. Hustvedts anspielungsreicher und theoriegespeister Roman führt nicht nur tief in die Welt der Kunst, die Autorin beherrscht auch selbst das Maskenspiel der Literatur, indem sie den vielen Figuren und Interessen unterschiedliche Stile und Stimmen verleiht.

In Kritiken zu Hustvedts Romanen fehlt selten der Hinweis, dass sie mit Paul Auster verheiratet ist - umgekehrt gibt's diese Information kaum. Dass Meike Feßmann etwa ihre Besprechung eben damit begann, belegt (unfreiwillig) die Brisanz dessen, wovon Hustvedts Roman erzählt, wohl ebenso wie die Bildunterschrift, die die Süddeutsche dazulieferte: "So langsam läuft die 1955 in Minnesota geborene Schriftstellerin Siri Hustvedt ihrem berühmten Mann Paul Auster den Rang ab." Da hat man's.