Amerika unheilig

1945 1960 1980 2000 2020

Installationskünstler Donald Lipski in der BAWAG Foundation.

1945 1960 1980 2000 2020

Installationskünstler Donald Lipski in der BAWAG Foundation.

Grün, lila und orange schwingt die amerikanische Flagge in den Raum. Farblich entfremdet, aus filigranem Seidenstoff gefertigt, von Ventiltoren in permanenter Bewegung gehalten, wirkt sie zerbrechlich und lyrisch. Mit dem Nationalheiligtum eines starken Amerika hat dieses zarte, zusammengeflickte Gebilde nichts mehr gemein. Donald Lipski, der im Land der unbegrenzten Möglichkeiten von New York über Colorado bis nach Denver oder Houston fast überall ausgestellt hat, kennt keinen Respekt vor "Stars and Stripes" - auch nicht in der BAWAG Foundation, wo derzeit eine umfassende Lipski-Ausstellung zu sehen ist.

In einem anderen Objekt findet sich die verehrte Flagge, in Streifen zerschnitten, um eine Kugel gehüllt: eine zerrissene Nation umklammert den Globus. Heil ist im Amerikabild des Künstlers nichts, heilig noch weniger. Rasierklingen, Drahtwolle, eine rostige, mit fester Schnur umwickelte Säge: viele der Kunstobjekte sind aus scharfen Gegenständen gefertigt. Aggression versteckt sich überall. Auch der Landschaft, Stolz aller Amerikaner, gilt Lipskis Aufmerksamkeit. Entfremdet, geknechtet, verschnürt, geknebelt, in Rohre gefüllt: auch die Natur darf nicht leben, kommt nur konserviert oder bearbeitet vor. Als Klischee an Wände genagelt, Traumbild für den überdimensionalen Setzkasten. Eis, das aus Eimern quillt, entpuppt sich als zerbrochenes Glas: was wie Natur aussieht, ist letztlich künstlich, noch dazu scharfkantig, verletzend, gefährlich. In eine geheiligte Analytikercouch setzt der Künstler frech ein mit Salz gefülltes Rund: bittere, schmerzhafte Notdurft für die Seele. Die Konfrontation mit Donald Lipskis Werken läßt unbegrenzte Möglichkeiten zur Assoziation offen. Erstmals in Österreich ausgestellt, sollte man die eintrittsfreie Gelegenheit zum Streifzug durch den Mikrokosmos eines interessanten amerikanischen Künstlers nutzen.

Bis 27. Februar, Tuchlauben 7a, 1010 Wien

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