Im Radiokulturhaus des ORF begann die Reihe "Frühstück mit Neutönern".

Sprachlich, politisch und konfessionell sind die Unterschiede zwischen den drei baltischen Staaten groß, aber auf musikalischem Gebiet arbeiten sie eng zusammen. Und hier sind sie bekannter als manche andere EU-Beitrittsländer; der Starkomponist Arvo Pärt und der Solist Gidon Kremer haben dazu das Ihre beigetragen. So lag es auf der Hand, dass das Radiokulturhaus den Komponisten aus Estland, Lettland und Litauen einen eigenen Abend widmete.

Arvo Pärt war mit seinem Mozart-Adagio" vertreten - ein Stück, das den Klavierpart des frühen Mozart-Trios KV 280 nahezu unverändert lässt, aber durch Violine und Cello "aktualisiert" und durch kleine Irritationen dramatisiert. Klangverliebtheit und unbefangenen Umgang mit der Tradition nannte Falter-Redakteur Carsten Fastner, der das Konzert moderierte, als Charakteristika baltischer Gegenwartsmusik. Für letztere Tendenz stand ein Stück des jungen lettischen Komponisten Andris Dzenitis, das stark an die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, zumal an Prokofieff erinnerte. "Blicke in die Abgründe der Zeit" komponierte der ebenfalls aus Lettland stammende Peteris Vasks für freie Besetzung - das engagiert musizierende "Pierrot Lunaire Ensemble Wien", das mit diesem Programm auch in Berlin und anderswo zu hören sein wird, konnte die Instrumente also frei wählen. Erki Sven Türr, der in den siebziger und achtziger Jahren als Rockmusiker hervortrat, gilt als Shooting-Star aus Estland; bei den Klangspuren 2003 in Schwaz war ihm ein Schwerpunkt gewidmet. Er war mit "Architectonics VII für Flöte, Bassklarinette und Klavier" vertreten. Von den beiden Litauern experimentiert Vytis Mazulis mit Vierteltönen, wofür die Streicher eigene Griffe erfinden und Bläser mit dem Ansatz experimentieren müssen. Von Osvaldas Balakauskas, der sich schon zu Sowjetzeiten an der westlichen Avantgarde orientierte, wurde ein Quartett aufgeführt, das reichlich perkussive Elemente enthielt.

"Frühstück mit Neutönern" heißt die ansprechende vierteilige Reihe im Radiokulturhaus; in der Pause kann man bei Kaffee und Kipferl mit den Musikern sprechen und die Noten aus der Nähe studieren.

Weitere Termine: 15. 2., 14. 3. und 18. 4. jeweils Sonntag 11 Uhr im Radiokulturhaus, Argentinierstr. 30a. 1040 Wien

Infos und Karten: 01/50170377

radiokulturhaus.ORF.at

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