Das Leben geopfert

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Eine neue Ausstellung zeigt "Architektur im Widerstand".

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Eine neue Ausstellung zeigt "Architektur im Widerstand".

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Ohne diese Menschen, die freiwillig ihr Leben dem Existenzkampf der zivilisierten Welt gegen die Barbarei untergeordnet haben, würde es das heutige Österreich nicht geben," stellt Wolfgang Neugebauer vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands klar. Sieht man das architektonische Werk, das Herbert Eichholzer, seine Lebensgefährtin Anna-Lülja Praun, Margarethe Schütte-Lihotzky und andere politisch denkende Künstler in den dreißiger Jahren geplant und teilweise verwirklicht haben, stimmt das Kulturinteressierte traurig.

Bewußt im Stil der dreißiger Jahre gehalten, versetzt die Ausstellung "Herbert Eichholzer - Architektur und Widerstand" im Wiener Witt-gensteinhaus in eine Zeit, zu der die Moderne noch gedacht werden konnte. Modelle des Sommerhauses Kastner, des Hauses Albacher, Originalmöbel aus den Wohnungen der jetzigen Benutzer, Skizzen, Pläne oder Briefe lassen ein sehr sozial orientiertes Denken, das Bemühen um die Menschen, regen Austausch und viel Humor in schweren Zeiten unter den Künstlern erkennen.

Herbert Eichholzer geht 1929 nach Paris, um beim großen Le Corbusier zu arbeiten. Engagiert planen die Architekten an der Utopie einer besseren Gesellschaft mit. 1932 beschreibt Eichholzer in einem Brief aus Moskau voll Ironie und Witz stundenlange Fußwege und die Qual, eine Schreibmaschine aufzutreiben. Zwischen den Zeilen klingt Verzweiflung durch. Wieder in Österreich, sammelt er architektonisch Meriten und engagiert sich politisch im Widerstand.

1938 erscheint die erste und einzige Ausgabe der Kulturzeitschrift "Der Plan". Doch Menschen, die so frei und vorurteilslos denken, handeln und leben, wie diese Vertreter der Moderne, haben unter Hitler keinen Platz. Baukultur findet wie jede andere Kultur durch das NS-Regime ein abruptes Ende, die Künstlergruppe muß emigrieren. Bei Clemens Holzmeister findet Eichholzer 1938 in Ankara Arbeit. Anerkannt und in Sicherheit, entschließt er sich trotzdem, ein Nest des Widerstandes in Österreich aufzubauen. Gemeinsam mit Grete Schütte-Lihotzky wagt er sich 1940 in die Heimat zurück. Von Graz aus knüpft er Kontakte, bis er verhaftet und zum Tod verurteilt wird. Eichholzer opferte ein Leben voller Talente für die Vision einer besseren Zukunft.

Bis 4. Dezember.

"Herbert Eichholzer 1903-1943, Architektur und Widerstand", Haus Wittgenstein, Parkg. 18, 1030 Wien, Montag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr.

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