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Feuilleton

Der talentierte Mr. Cheney

1945 1960 1980 2000 2020
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Mit insgesamt acht Nominierungen, darunter als Bester Film und bei den Besten Nebendarsteller (inne) n, wird am kommenden Wochenende für "Vice -der zweite Mann" die eine oder andere Statue in Los Angeles drinnen sein. Adam McKay, der sich zuletzt 2015 in "The Big Short" am Casino-Kapitalismus u. a. mit Steve Carell und Christian Bale versucht hat, konnte auch jetzt auf diese "bewährten" und noch viel mehr Kräfte zurückgreifen. Und man muss neidlos konzedieren: Zeitgenössisches Kino mit aberwitzigem bis surrealem Stil ist McKaye da gelungen, keine Frage: eines der besten Lichtspiele der vergangenen Saison. Und eine Polit-Parabel erster Güte.

Ganz weit ist "Vice" ja nicht weg von den erratischen "Dokumentarfilmen" eines Michael Moore. Aber die Holzhammer-Dramaturgie des Kino-Berserkers gehen einem zunehmend auf die Nerven. Da gibt es McKaye in seinem "Biopic" des US-Vizepräsidenten Dick Cheney zwar auch holzschnittartig, aber wesentlich subtiler.

Cheney war Nummer zwei hinter George W. Bush und der "Oberböse" der US-Administration in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre. Die Folterungen in der Nach-9/11-Ära gehen letztlich ebenso auf sein Konto wie der Irakkrieg 2003 samt der Lügen, die dazu führten, und die Bevorzugungen privater Firmen wie der Ölgesellschaft Halliburton, die Cheney zuvor geleitet hatte.

Christian Bale ist als dieser Polit-Bösewicht in seinem schauspielerischen Element, Sam Rockwell als unbedarfter USPräsident George W. Bush ebenso wie Steve Carrell in der Rolle des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld.

Die straight und plakativ ab 1963 erzählte Filmbiografie zeichnet sich aber vor allem durch grandios verspielte Dramaturgie aus -etwa, indem der Film per Nachspann schon scheinbar zur Halbzeit zu Ende ist, oder wenn Mr .und Mrs. Cheney (auch grandios: Amy Adams) im ehelichen Bett miteinander in der Sprache Shakespeare'scher Königsdramen kommunizieren.

Die düstere Erzählung wird auf diese Weise komödiantisch durchbrochen, um dann letztendlich durch das diabolische Vergnügen, an dem sich Regisseur McKay hier gütlich tut, der Bigotterie des Politbetriebs in Washington erst recht die Maske herunterzureißen.