Die Mutter Courage aus Graz

Sie hat Courage, ist temperamentvoll und entspricht so gar nicht heutigen Führungspersönlichkeiten. Anna Badora ist eine Teamworkerin, hat ihr Ensemble vorbildlich aufgebaut und setzt es - wie zuletzt bei dem Musicalklassiker "Cabaret“ - voll ein. Die zierliche Intendantin und Regisseurin entfacht diesseits und jenseits der Bühne Enthusiasmus, der Berge zu versetzen mag. Es versteht sich von selbst, dass sie keine Selbstdarstellerin und keine Blenderin ist, die es unter den heutigen Theatermachern zuhauf gibt und derzeit für die Direktion des Wiener Volkstheaters im Gespräch ist.

Vor sieben Jahren verließ sie als Generalintendantin das Düsseldorfer Schauspielhaus, um in Graz mit einem Drittel des Budgets der Rheinmetropole die gleiche Zahl von Premieren herauszubringen. Mit bescheidenen Mitteln schaffte sie es, mit anspruchsvollen Produktionen wie etwa der als Theaterwunder gefeierten Farce "Hakoah Wien“ oder mit ihrer eigenen Inszenierung der Uraufführung von Daniel Kehlmanns "Geister in Princeton“ für internationales Aufsehen und für ein volles Haus zu sorgen. Dem Mythos, nur mit leichter Kost die Bude voll zu bekommen, hat sie immer misstraut und das Publikum nie unterschätzt. Dass sie sich vor zwei Jahren zu gravierenden Sparmaßnahmen verpflichten musste, kann ihren Optimismus nicht dämpfen.

Badora zieht es vor nicht zu jammern, sondern im Bedarfsfall zu handeln. Ihr sind nach eigener Aussage "Motivation, der Wille wirklich etwas zu bewirken, und vor allem gute Mitarbeiter“ wichtig, denn "allein schafft man eh nichts.“

Es gibt sie also noch, die Führungspersönlichkeiten, die etwas bewirken können. Sie wachsen nicht aus Wichtigtuerei und politischer und sonstiger Freunderlwirtschaft, sondern aus eigener Kraft und in der Stille. Dort, wo man sie gar nicht vermutet.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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