Eine Schrecksekunde. Nicht mehr

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Höher, schneller, weiter - einst war es solch "hehres" Prinzip, das Menschen zu sportlichen Höchstleistungen antrieb. Mit dem "hehr" ist es aber schon lang nicht mehr so weit her. Trotz aller Beteuerungen des Gegenteils geht heute kein ernstzunehmender Zeitgenosse mehr davon aus, dass es im Spitzensport ohne pharmazeutische Anwendungen (und Verschleierungen) geht. Das mag zwar nicht ganz pauschal gelten, aber die globalen Usancen weisen in diese Richtung, zumal es meistens um sehr viel Prestige und noch mehr ums Geld geht.

Sport ist Mord, lautet ein altbekannter Spruch. Und es steht fest: Sport ist Showbusiness. Aber auch Showbusiness kann lebensgefährlich sein, wie jüngst der furchtbare Unfall bei der Samstagabendshow "Wetten, dass ..?" der deutschsprachigen Welt vor Augen führte.

Jeder Kommentar, aber auch jede Entrüstung über das aktuelle Vorkommnis steht in Gefahr, in Zynismus auszuarten: Das Schicksal des Verunglückten wird fürs Besetzen der nächsten Stufe medialer Aufmerksamkeit ausgenutzt, so wie auch im gegenständlichen Sendeformat die Aufregungsschraube hochgeschraubt wurde, sodass einfach "einmal etwas passieren musste", wie hinterher Klügere zu sagen pflegen.

Mindestens so zynisch kann der Hinweis darauf wirken, dass alles schon einmal da gewesen sei, dass etwa schon Anfang der 70er Jahre in einem der ersten vergleichbaren Formate, der TV-Show "Wünsch dir was", eine in einem Auto unter Wasser eingesperrte Kandidatin befreit werden musste.

Man könnte die Diskussionen von damals heute fast eins zu eins übernehmen - und ist fast 40 Jahre später klüger: Sie nutzen wenig. Denn die Aufmerksamkeitsschwelle wird höher, der Quotendruck ebenfalls, vom Gefahrenpotenzial gar nicht zu reden.

Vielleicht gibt es nach dem fatalen Unfall vom Samstag bei Gottschalk, ZDF, ORF & Co eine Schrecksekunde. Wir befürchten: Sie wird nicht lange andauern.

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