Einlullende "Poppea"

1945 1960 1980 2000 2020

Monteverdi-Festwochenproduktion im Theater an der Wien.

1945 1960 1980 2000 2020

Monteverdi-Festwochenproduktion im Theater an der Wien.

Die in Claudio Monteverdis Oper "L'incoronazione di Poppea" vom Liebesgott Amor heftigst erzeugte Leidenschaft zwischen Nero (Magdalene Kozena) und Poppea (Mireille Delunsch) löst sich musikalisch in barocken Wohlklang höchster Qualität auf. Dirigent Marc Minkowski hat die Partitur souverän im Griff, sie perlt nur so aus dem Orchestergraben. Stimmlich sind ihr nicht alle Sänger gewachsen.

Nero und Poppea sind richtig besetzt und schlagen sich tapfer. Genug Stimmvolumen, ihre Gefühlswallungen dem Orchester lustvoll und laut entgegenzuschleudern, hat einzig Sylvie Brunet als herausragende Octavia. Sie ist neben der Amme Arnalta (Jean-Paul Fouchecourt) die Einzige, die für Augenblicke aus dem Korsett der schablonenhaften Inszenierung ausbrechen kann. Die Emotionen, die Nero dazu bringen, seine Gattin Octavia zu verstoßen und seinem unbestechlich-kritischen Gelehrten Seneca (von Denis Sedov stoisch in schwarzer Existentialistentoga dargestellt), den Selbstmord zu befehlen, bleiben in Klaus Michael Grübers Inszenierung in plakativen Figurinen stecken.

Im ersten Akt funktioniert das Konzept: Angenehm unbelastet von historisierendem Tand agieren die Protagonisten in reduzierten Kostümen (Rudy Sabounghi) vor Gilles Aillauds Bühnenkulissen als von Göttern gelenkte, gesichtslose Marionetten. Im zweiten und dritten Akt tritt Ermüdung ein, die plötzlich durch eine antike Skulptur aufgemotzte Kulisse macht die Sache nicht besser. Für Heiterkeit zwischendurch sorgt Amme Arnalta als komische Figur. Jean-Paul Fouchecourts witzige Mimik, Gestik und Körpersprache erntet Lacherfolge. Keine Sternstunde, aber immerhin gediegenes Handwerk.

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