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Feuilleton

Hohle Phrasen, blutleere Figuren

1945 1960 1980 2000 2020

"Die Bernauerin" an der Volksoper: ein schlechtes Stück, langweilig und zäh inszeniert.

1945 1960 1980 2000 2020

"Die Bernauerin" an der Volksoper: ein schlechtes Stück, langweilig und zäh inszeniert.

Welcher Teufel hat Volksoperndirektor Klaus Bachler bloß geritten, als er Carl Orffs "Die Bernauerin" auf den Spielplan seines Hauses setzte? Diese seltsame Verarbeitung der Geschichte von Agnes Bernauer, Tochter eines einfachen Baders, von Bayernherzog Albrecht geehelicht und schließlich als Hexe hingerichtet, ist höchstens zu einer Hälfte Musiktheater, und da eher Oratorium denn Oper. Immerhin: An den Musikstellen glänzt der Chor der Wiener Volksoper und auch Sebastian Weigle gelingt es, das Orchester angemessen durch die teils subtilen, teils scheppernden Orffschen Rhythmen und Harmonien zu führen.

Die andere Hälfte des Stückes ist schlechtes Sprechtheater, das in dieser Form eigentlich nichts mehr auf einer Bühne verloren hat. Der Text zwingt zur Deklamation, noch dazu in einem künstlichen, altertümelnden Bayrisch, das auf den hinteren Rängen kaum noch zu verstehen ist und letztendlich, je nach Herkunft der Schauspieler, doch nur tirolerisch, wienerisch oder bundesdeutsch klingt.

Durch diese unsägliche Sprache entsteht eine Distanz zwischen Figuren und Zusehern, die Regisseur Thomas Langhoff nicht zu überwinden vermag. Man sieht, wie Jürgen Holtz eindrucksvoll einen geifernden Mönch verkörpert, der von der Kanzel gegen die vermeintliche Hexe hetzt, doch man hört nur unechte, hölzerne Worte. Auch Sunnyi Melles in der Titelrolle bleibt ein Wesen aus einer anderen Welt. Die (hochgradig unnatürlichen) Emotionen der Figur verpuffen spurlos. Langhoff unternimmt nichts, um aus den Figuren Menschen aus Fleisch und Blut zu machen, sie in Beziehung zueinander zu setzen und die Konflikte auf der Bühne aufzuschlüsseln. Bar jeglicher Zusammenhänge verschwimmen die Konturen von Figuren zwangsläufig, selbst bei den besten Bühnenschauspielern. Dies gilt auch für den sympathischen Publikumsliebling Tobias Moretti in der Rolle des Herzog Albrecht, der wohl vor allem dafür sorgen soll, daß sich wenigstens eine Handvoll Zuseher in diese Aufführung verirrt.

Das Premierenpublikum - ungewöhnlich viel ORF-Prominenz - reagierte mit erstaunlich lautem Klatschen und sogar "Bravo"-Rufen für die Regie auf die öde, zähe Aufführung. Ob das damit zusammenhing, daß "Die Bernauerin" in ORF 2 übertragen und auf Teufel komm raus beworben und gepusht wurde?

Welcher Teufel hat Volksoperndirektor Klaus Bachler bloß geritten, als er Carl Orffs "Die Bernauerin" auf den Spielplan seines Hauses setzte? Diese seltsame Verarbeitung der Geschichte von Agnes Bernauer, Tochter eines einfachen Baders, von Bayernherzog Albrecht geehelicht und schließlich als Hexe hingerichtet, ist höchstens zu einer Hälfte Musiktheater, und da eher Oratorium denn Oper. Immerhin: An den Musikstellen glänzt der Chor der Wiener Volksoper und auch Sebastian Weigle gelingt es, das Orchester angemessen durch die teils subtilen, teils scheppernden Orffschen Rhythmen und Harmonien zu führen.

Die andere Hälfte des Stückes ist schlechtes Sprechtheater, das in dieser Form eigentlich nichts mehr auf einer Bühne verloren hat. Der Text zwingt zur Deklamation, noch dazu in einem künstlichen, altertümelnden Bayrisch, das auf den hinteren Rängen kaum noch zu verstehen ist und letztendlich, je nach Herkunft der Schauspieler, doch nur tirolerisch, wienerisch oder bundesdeutsch klingt.

Durch diese unsägliche Sprache entsteht eine Distanz zwischen Figuren und Zusehern, die Regisseur Thomas Langhoff nicht zu überwinden vermag. Man sieht, wie Jürgen Holtz eindrucksvoll einen geifernden Mönch verkörpert, der von der Kanzel gegen die vermeintliche Hexe hetzt, doch man hört nur unechte, hölzerne Worte. Auch Sunnyi Melles in der Titelrolle bleibt ein Wesen aus einer anderen Welt. Die (hochgradig unnatürlichen) Emotionen der Figur verpuffen spurlos. Langhoff unternimmt nichts, um aus den Figuren Menschen aus Fleisch und Blut zu machen, sie in Beziehung zueinander zu setzen und die Konflikte auf der Bühne aufzuschlüsseln. Bar jeglicher Zusammenhänge verschwimmen die Konturen von Figuren zwangsläufig, selbst bei den besten Bühnenschauspielern. Dies gilt auch für den sympathischen Publikumsliebling Tobias Moretti in der Rolle des Herzog Albrecht, der wohl vor allem dafür sorgen soll, daß sich wenigstens eine Handvoll Zuseher in diese Aufführung verirrt.

Das Premierenpublikum - ungewöhnlich viel ORF-Prominenz - reagierte mit erstaunlich lautem Klatschen und sogar "Bravo"-Rufen für die Regie auf die öde, zähe Aufführung. Ob das damit zusammenhing, daß "Die Bernauerin" in ORF 2 übertragen und auf Teufel komm raus beworben und gepusht wurde?