Digital In Arbeit

Intelligentes und ethisches Design

Die täglichen Nachrichten verheißen nichts Gutes. Der Euro schwankt und wankt, die Arbeitsplätze mit ihm, Märkte und Wohlstand schrumpfen, nur die Verunsicherung der Menschen wächst. Allzusehr haben wir uns der allgemeinen Maßlosigkeit angepasst. Ohne soziale und ökologische Verantwortung wurde der Heißhunger nach all jenen Dingen des Lebens geweckt, ohne die man nur allzu gut leben kann und der nur eines bezwecken soll: den Umsatz ihrer Erfinder und Erzeuger immer mehr zu steigern.

Nahezu alle Sparten sind davon betroffen. Und, ehrlich gesagt, haben Sie sich das nicht immer schon gewünscht? Den Zutritt zu einem elitären Golfclub am Südpol, in dem Ihre Treffsicherheit und Ihr Kälteempfinden gefestigt werden, oder eine Weißwurst aus Zentralasien? Dass Sie unter Tausenden leer stehenden Büroflächen eine im sterilen Viertel eines zentralen Mammutbahnhofs erwerben können, wird Sie optimistisch stimmen. Ebenso, dass die Bahnreisen Ihrer Urenkel, falls es dann noch eine Bahn gibt, durch milliardenteure Tunnels verkürzt werden.

Ein internationaler Designer wie Hartmut Esslinger zeigt mit seiner Ausstellung "Design für den Wandel“ im Wiener MAK, wie es anders geht - und ein Mann wie Esslinger hat in der Krise mehr Aufträge als zuvor. Design muss sich eben nicht auf Outlooks von Mokkatassen oder Aktenkoffern beschränken. Jenes von Elektroautos gehört ebenso dazu wie das von medizinischen Hilfsgeräten oder einem Lowtech-Herd, der die Rauchentwicklung dezimiert und dadurch die Sterblichkeit von jährlich nahezu einer Million Kindern in den Entwicklungsländern senken kann. Design steht hier für lebensnotwendige und umweltfreundliche Produkte.

Es ist höchste Zeit wirtschaftlich umzudenken. All jene, die das jetzt erkennen, werden die Krise überstehen. Esslinger bringt es im ATV-Highlights-Interview auf den Punkt: "Wir müssen mit weniger Material mehr Wirkung erzeugen. Wer mehr Intelligenz und mehr Ethik in seine Arbeiten einfließen lässt, gehört zu den Gewinnern von morgen.“

* Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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