Reise durch vier Zyklen
Brigitte Schwens-Harrant über den Gedichtband: "dekarnation", Gedichte von Eva Maria Leuenberger.
Brigitte Schwens-Harrant über den Gedichtband: "dekarnation", Gedichte von Eva Maria Leuenberger.
Es ist das erste Buch der 1991 in Bern geborenen Autorin und es ist wirklich erstaunlich. Erstaunlich ist schon der Titel: „dekarnation“. Also, wenn man das übersetzen will: „Entfleischung“. Erstaunlich sind auch die Texte. Einerseits knapp und reduziert. Andererseits sehr dicht. Manchmal mit Pathos, manchmal wie durchlöchert. Gedichte, die fast erzählend beginnen und sich am Ende aufzulösen scheinen, bis nur mehr eine Verszeile auf eine Seite fällt. Der Titel „dekarnation“ bekommt so auch durch die Form Bedeutung.
In vier Zyklen – „tal“, „moor“, „schlucht“, „tal“ – spürt Eva Maria Leuenberger dem Körper und der Natur nach, den Grenzen zwischen Innen und Außen. Leuenberger zitiert keine geringeren Lyrikerinnen als Anne Carson und Emily Dickinson und stellt sich damit selbstbewusst in eine bedeutende Tradition. Zweimal war sie Finalistin beim open mike in Berlin (2014 und 2017), nun fällt sie mit ihrem ersten Buch auf, erhält dafür nun den Basler Lyrikpreis 2020. Für ihre Reise „durch vier Zyklen, so dunkel wie erhellend, so abgründig wie erhebend, so verstörend wie berührend“.