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Feuilleton

Lockvogel Sprache

1945 1960 1980 2000 2020

Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken

1945 1960 1980 2000 2020

Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken

Die Junge Autorin Teresa PRäauer schenkt ihren Lesern fünfzehn Sätze und Vögel.

Wie vom Himmel gefallen liegt er da, der Satz, den Teresa Präauer aufs Papier setzt. Er steht für sich allein, auf andere Sätze, die ihm Stütze und Rückhalt bieten, darf er sich nicht verlassen. Viel Weiß baut sich rund um ihn auf, das macht ihn umso bedeutsamer. Er steht in keinem größeren Zusammenhang, und so hängt er im Raum als Chiffre für eine erst zu entdeckende Wirklichkeit. Mach etwas aus mir, raunt er dem Leser zu, der aus Andeutung und Rätsel etwas für ihn Achtbares herausziehen muss. „Gras verheddert sich in Gras“, heißt solch ein Satz oder: „Die Haare sind die Federn der Menschen.“ Daran kann man sich festbeißen, und mit solch einem Satz kann man durch den Tag kommen.

Die Natur ist das Anschauungsmaterial, die Sprache das Transportmittel, diese Außenwelt in unser Gedächtnis zu hieven. Auf diesem Weg passiert eine ganze Menge, weil sich die Sprache, jene falsche Freundin, als Vermittlerin anbahnt. Die Wörter sind für uns alle gleich, aber sie entwickeln für uns alle eine eigene Aura. Sie, die vorgeben, reine Bedeutung zu sein, haben immer mehr als einen einzigen Sinn. Und wenn dann noch unsere subjektive Gefühlswelt dazukommt, die auch noch ein Wörtchen mitredet, wenn es ums Verstehen geht, ist die Sprache ganz und gar um ihren reinen Mitteilungswert gebracht.

Damit spielt Teresa Präauer, die uns ihre Sätze hinwirft, geradeso wie andere Vögel mit fetten Würmern anlocken.

Anfresser und Frackschmätzer

Ach ja, Vögel. Alles dreht sich bei Präauer um diese so flüchtigen Tiere, so scheu wie die Literatur dieser jungen Autorin aus Österreich. Fünfzehn Fantasievögel zeichnet sie, den melancholischen Anfresser ebenso wie den hellwachen Frackschmätzer. Alles erfunden! Die knappen Sätze kommentieren die Tiere nicht, helfen uns nicht, sie zu verstehen. Wie denn auch, als ob irgendjemand schon jemals einen Vogel verstanden hätte. Die Sätze purzeln aus der Welt der Vögel in unsere menschliche Existenz, und damit müssen wir jetzt leben. „Wir beäugen vom Ast aus die Nacht.“ Wer immer sich auf diese Art des Zeitvertreibs einlässt, wir beäugen in der Zwischenzeit die Sätze der Teresa Präauer und kommen darüber ins Grübeln.

Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken

Von Teresa Präauer

Edition Krill 2009. 15 Text- und 15 Bildkarten, geb., einzeln entnehmbar, e 14,–

Die Junge Autorin Teresa PRäauer schenkt ihren Lesern fünfzehn Sätze und Vögel.

Wie vom Himmel gefallen liegt er da, der Satz, den Teresa Präauer aufs Papier setzt. Er steht für sich allein, auf andere Sätze, die ihm Stütze und Rückhalt bieten, darf er sich nicht verlassen. Viel Weiß baut sich rund um ihn auf, das macht ihn umso bedeutsamer. Er steht in keinem größeren Zusammenhang, und so hängt er im Raum als Chiffre für eine erst zu entdeckende Wirklichkeit. Mach etwas aus mir, raunt er dem Leser zu, der aus Andeutung und Rätsel etwas für ihn Achtbares herausziehen muss. „Gras verheddert sich in Gras“, heißt solch ein Satz oder: „Die Haare sind die Federn der Menschen.“ Daran kann man sich festbeißen, und mit solch einem Satz kann man durch den Tag kommen.

Die Natur ist das Anschauungsmaterial, die Sprache das Transportmittel, diese Außenwelt in unser Gedächtnis zu hieven. Auf diesem Weg passiert eine ganze Menge, weil sich die Sprache, jene falsche Freundin, als Vermittlerin anbahnt. Die Wörter sind für uns alle gleich, aber sie entwickeln für uns alle eine eigene Aura. Sie, die vorgeben, reine Bedeutung zu sein, haben immer mehr als einen einzigen Sinn. Und wenn dann noch unsere subjektive Gefühlswelt dazukommt, die auch noch ein Wörtchen mitredet, wenn es ums Verstehen geht, ist die Sprache ganz und gar um ihren reinen Mitteilungswert gebracht.

Damit spielt Teresa Präauer, die uns ihre Sätze hinwirft, geradeso wie andere Vögel mit fetten Würmern anlocken.

Anfresser und Frackschmätzer

Ach ja, Vögel. Alles dreht sich bei Präauer um diese so flüchtigen Tiere, so scheu wie die Literatur dieser jungen Autorin aus Österreich. Fünfzehn Fantasievögel zeichnet sie, den melancholischen Anfresser ebenso wie den hellwachen Frackschmätzer. Alles erfunden! Die knappen Sätze kommentieren die Tiere nicht, helfen uns nicht, sie zu verstehen. Wie denn auch, als ob irgendjemand schon jemals einen Vogel verstanden hätte. Die Sätze purzeln aus der Welt der Vögel in unsere menschliche Existenz, und damit müssen wir jetzt leben. „Wir beäugen vom Ast aus die Nacht.“ Wer immer sich auf diese Art des Zeitvertreibs einlässt, wir beäugen in der Zwischenzeit die Sätze der Teresa Präauer und kommen darüber ins Grübeln.

Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken

Von Teresa Präauer

Edition Krill 2009. 15 Text- und 15 Bildkarten, geb., einzeln entnehmbar, e 14,–