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Feuilleton

O Karel Gott!

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

"In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit …“: Wohl jeder Österreicher über fünf kann den Titelsong der Zeichentrickserie "Biene Maja“ mitsingen - vor allem jene, die in den 1970er Jahren jung waren, als die allermeisten Haushalte nur über die zwei ORF-Fernsehkanäle verfügten und nicht über zahllose Kabelkanäle, von denen einige ausschließlich Kinderprogramm senden. Doch seit Neuestem trällert nicht mehr Schlagerlegende Karel Gott das Titellied, sondern eine zeitgenössische Schunkelsängerin namens Helene Fischer.

Und auch sonst ist plötzlich einiges anders: Die Figuren erstrahlen in nagelneuer 3D-Optik. Maja ist kein Pummelchen mehr, sondern musste sich auf Modelmaße herunterhungern. Immerhin, Willi darf noch faul sein, obwohl sich auch er einer Schlankheitskur unterziehen musste. Für all jene, die mit der originalen Biene Maja aufgewachsen sind, ist das in etwa so, wie wenn der gotische Zierrat an der Außenseite des Stephansdoms abgeschlagen und durch eine moderne Glasfassade ersetzt würde.

Nur mehr eine austauschbare Kindersendung

Natürlich, große Stoffe dürfen neu inszeniert werden. Es ist okay, dass der Filmklassiker "King Kong und die weiße Frau“ aus dem Jahr 1933 vier bzw. sieben Jahrzehnte später neu verfilmt wurde, von "Die drei Musketiere“ gibt es wahrscheinlich zwei Dutzend filmische Umsetzungen. Warum also nicht "Biene Maja“ einer Neuinterpretation unterziehen? Die bunten Details der Blumenwiese oder die wippenden Fühler der Insekten in der Neufassung sehen ja wirklich nicht schlecht aus.

Die Crux an der Sache: die Aura der Serie ist komplett verschwunden. Statt einem naturgemäß altmodisch anmutenden Klassiker aus dem Jahr 1976 ist "Biene Maja“ nun eine von unzähligen austauschbaren Kindersendungen im 3D-Look. Und zwar eine von den langweiligen.

Die im historischen Kontext durchaus akzeptable Betulichkeit der Geschichten ist heute unerträglich. Wenn schon, dann wäre eine komplette Neuschöpfung angesagt gewesen: mit neu designten und modernisierten Figuren (von manchen, etwa Flip, hätte man sich auch gerne verabschieden können), mit neuer Titelmelodie, mit schrägem Humor, sozialem Biss und einem Feuerwerk an populärkulturellen Zitaten, wie es etwa die meisterhafte Serie "SpongeBob“ während der ersten vier Staffeln vormachte. Doch dafür fehlte offenbar der Mut.

Fragt man nach dem Warum für die misslungene Neufassung, so stößt man bald auf eine sehr profane Begründung: Die alten Bilder seien nicht ins moderne HDTV-Format umwandelbar. O Karel Gott! Warum ist es so schlimm, wenn auf den Flachbildschirmen links und rechts neben dem Bild ein schwarzer Streifen frei bleibt? Seit der Umstellung auf das neue Format werden ja zahlreiche ältere Kindersendungen nur noch in verstümmelter Form - oben und unten abgeschnitten, in die Breite gezerrt - gezeigt. Ein Skandal: Mit diesen disproportionalen Bildern wird ein immenser Schaden bei der ästhetischen Wahrnehmung künftiger Generationen angerichtet. Dagegen ist die neue "Biene Maja“ geradezu harmlos.

"In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit …“: Wohl jeder Österreicher über fünf kann den Titelsong der Zeichentrickserie "Biene Maja“ mitsingen - vor allem jene, die in den 1970er Jahren jung waren, als die allermeisten Haushalte nur über die zwei ORF-Fernsehkanäle verfügten und nicht über zahllose Kabelkanäle, von denen einige ausschließlich Kinderprogramm senden. Doch seit Neuestem trällert nicht mehr Schlagerlegende Karel Gott das Titellied, sondern eine zeitgenössische Schunkelsängerin namens Helene Fischer.

Und auch sonst ist plötzlich einiges anders: Die Figuren erstrahlen in nagelneuer 3D-Optik. Maja ist kein Pummelchen mehr, sondern musste sich auf Modelmaße herunterhungern. Immerhin, Willi darf noch faul sein, obwohl sich auch er einer Schlankheitskur unterziehen musste. Für all jene, die mit der originalen Biene Maja aufgewachsen sind, ist das in etwa so, wie wenn der gotische Zierrat an der Außenseite des Stephansdoms abgeschlagen und durch eine moderne Glasfassade ersetzt würde.

Nur mehr eine austauschbare Kindersendung

Natürlich, große Stoffe dürfen neu inszeniert werden. Es ist okay, dass der Filmklassiker "King Kong und die weiße Frau“ aus dem Jahr 1933 vier bzw. sieben Jahrzehnte später neu verfilmt wurde, von "Die drei Musketiere“ gibt es wahrscheinlich zwei Dutzend filmische Umsetzungen. Warum also nicht "Biene Maja“ einer Neuinterpretation unterziehen? Die bunten Details der Blumenwiese oder die wippenden Fühler der Insekten in der Neufassung sehen ja wirklich nicht schlecht aus.

Die Crux an der Sache: die Aura der Serie ist komplett verschwunden. Statt einem naturgemäß altmodisch anmutenden Klassiker aus dem Jahr 1976 ist "Biene Maja“ nun eine von unzähligen austauschbaren Kindersendungen im 3D-Look. Und zwar eine von den langweiligen.

Die im historischen Kontext durchaus akzeptable Betulichkeit der Geschichten ist heute unerträglich. Wenn schon, dann wäre eine komplette Neuschöpfung angesagt gewesen: mit neu designten und modernisierten Figuren (von manchen, etwa Flip, hätte man sich auch gerne verabschieden können), mit neuer Titelmelodie, mit schrägem Humor, sozialem Biss und einem Feuerwerk an populärkulturellen Zitaten, wie es etwa die meisterhafte Serie "SpongeBob“ während der ersten vier Staffeln vormachte. Doch dafür fehlte offenbar der Mut.

Fragt man nach dem Warum für die misslungene Neufassung, so stößt man bald auf eine sehr profane Begründung: Die alten Bilder seien nicht ins moderne HDTV-Format umwandelbar. O Karel Gott! Warum ist es so schlimm, wenn auf den Flachbildschirmen links und rechts neben dem Bild ein schwarzer Streifen frei bleibt? Seit der Umstellung auf das neue Format werden ja zahlreiche ältere Kindersendungen nur noch in verstümmelter Form - oben und unten abgeschnitten, in die Breite gezerrt - gezeigt. Ein Skandal: Mit diesen disproportionalen Bildern wird ein immenser Schaden bei der ästhetischen Wahrnehmung künftiger Generationen angerichtet. Dagegen ist die neue "Biene Maja“ geradezu harmlos.