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Oh Denkmal, oh Schutz vor dir

Wer für den Denkmalschutz kämpft, der rennt gegen Windmühlen an. Und nicht selten fallen ihm die, die er für seine Verbündeten hält - die Vertreter des Denkmalamtes - in den Rücken. In Wien erregte jüngst der Fall des Biedermeierhauses "Zur Hl. Dreyeinigkeit" am Spittelberg Aufsehen, als die Bezirkszeitung berichtete, sein Eigentümer wolle es trotz Ensembleschutz abreißen und einen Neubau hinstellen: eine "Augenweide". Dann wurde bekannt, dass 2005 bereits ein Denkmalschutz-Verfahren eingeleitet worden war, das jedoch vom damaligen Präsidenten des Bundesdenkmalamtes ohne Begründung eingestellt wurde. Aufklärung darüber wurde amtlicherseits bisher nicht gewährt, aber wenigstens gibt es nach dem öffentlichen Aufschrei vorerst keine Abbruchbewilligung.

Österreich braucht zum Schutz des kulturellen Erbes dringend eine Gesetzesänderung, die die planmäßige Vernachlässigung und Vernichtung historischer Bausubstanz unattraktiv macht, indem etwa die Kubatur eines möglichen Neubaus beschränkt wird und Bürgerinitiativen in Abbruchverfahren Parteienstellung erhalten. Nur so kann man in Wien die völlige Demolierung der historischen Heurigenorte noch verhindern. Die unheilige Dreieinigkeit von begehrlichen Spekulanten, diensteifrigen Politikern und willfährigen Beamten wirkt auch in den Bundesländern. Ein Hotspot der lukrativen Zerstörungswut ist zum Beispiel Gmunden, wo der Begriff Hotel-Komplex einen beunruhigenden Doppelsinn gewonnen hat. Dort hat das Denkmalamt dem Abriss des geschützten Seebahnhofs zugestimmt und tritt jetzt, man glaubt es nicht, als Schutzpatron eines 430-Betten-Hotelprojekts plus Therme auf dem Areal des denkmalgeschützten Parks der Villa Toscana auf. Das ist ungefähr so, als würde man im Schönbrunner Schlosspark "schonend" 5.000 m 2 verbauen.

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin

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