Rotraud A. Perner über die Schattenseiten der Öffentlichkeit

Die Verfügungsgewalt über junge Frauen hat eine lange Tradition. Deswegen fällt es schwer, zu akzeptieren, dass mündige Menschen ihr Leben selbst gestalten und bewerten wollen. Mit diesem Satz stellt Psychoanalytikerin Rotraud A. Perner das Interesse an Natascha Kampusch und Arigona Zogaj in einen größeren Zusammenhang. Kampusch und Zogaj seien keine medialen Eintagsfliegen, sondern zählen laut Perner zu #Longsellern#: Beide erhielten konstante Aufmerksamkeit, die üblicherweise eher Schauspielern, Musikern etc. zuteil werde. Dass Kampusch und Zogaj, die #Leute von nebenan#, ohne Leistung derartige Medienpräsenz erhielten, ließe viele mit Neid reagieren: #Dahinter steckt das Prinzip des mimetischen Furor: der Neid, die Wut darüber, dass jemand mehr Aufmerksamkeit hat#, erklärt Perner, und fügt zur Leistung an: #Allein das Medienblitzlicht auszuhalten, ist eine große Leistung.# Zusätzlich birgt eine hohe mediale Präsenz die Gefahr, #zur Zielscheibe von Personen zu werden, etwa bei Arigona Zogaj von Alltagsrassisten#, gibt sie zu Bedenken. #Wenn jemand so im Licht steht, dann suchen die Leute den Schatten.# (Gerlinde Wallner)

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau