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Feuilleton

Zum Tod von Stefan Heym

1945 1960 1980 2000 2020
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Er schien wohl an einem Höhepunkt seines Lebens angelangt, was äußere Ehren betraf, als der PDS-Abgeordnete Stefan Heym als Alterspräsident des deutschen Bundestages ans Rednerpult trat. Seinem Plädoyer für die Toleranz schlug Missachtung entgegen. Ein Teil der deutschen Parlamentarier hat damit weder Großmut noch Stil bewiesen. Der Dichter Stefan Heym, der am vergangenen Sonntag mit 88 Jahren in Israel während einer Heinrich-Heine-Tagung einem Herzversagen erlag, war ja kein Träger des DDR-Regimes gewesen, sondern bestenfalls eine geduldete literarische Galionsfigur. Der demokratische sozialistische Staat, auf den er nach 1989 noch immer hoffte, war eine Fata Morgana. Das humanistische Potential des Kommunismus hatte spätestens Stalin verspielt. Doch unter den Menschen, die an der sozialistischen Vision festhielten, waren einige der besten Köpfe des 20. Jahrhunderts.

Heym freilich war ein Nachzügler unter den Enttäuschten. Er war ein David ohne Chancen, weil er gegen zwei Goliaths antrat, den westlich-kapitalistischen und den terroristisch-diktatorischen östlichen. Sehr früh überzeugter Sozialist, stand er mangels einer besseren Spielart loyal, aber immer kritischer zur DDR. Er hat viele Kompromisse gemacht, blieb aber ein unbeugsamer Querkopf und Utopist, vor wie nach der Wende. Als eine Erhöhung der Diäten der Abgeordneten zum Bundestag beschlossen werden sollte, legte Heym unverzüglich sein Mandat nieder.

1933 aus Deutschland geflohen, als US-Sergeant in der Normandie gelandet, war Heym in zwei Sprachen zu Hause. Er lebte auch nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA, bis ihn die große Kommunistenhatz des Senators McCarthy vertrieb. "Bitterer Lorbeer" hieß das Fazit seiner amerikanischen Jahre. Sein Stil war an den großen amerikanischen Erzählern und am "sozialistischen Realismus" geschult. Stefan Heyms Romanhelden pflegen Stefan Heym mehr oder weniger bis hin zum Selbstporträt zu gleichen. Eine seiner stärksten Figuren ist der "Ahasver" im gleichnamigen Roman (1981), in dem sich nach 2.000 Jahren Jesus und der Schuster, der ihm die Tür wies, gegen Luzifer und seine ideologisch leicht identifizierbaren Horden verbünden ...

Er schien wohl an einem Höhepunkt seines Lebens angelangt, was äußere Ehren betraf, als der PDS-Abgeordnete Stefan Heym als Alterspräsident des deutschen Bundestages ans Rednerpult trat. Seinem Plädoyer für die Toleranz schlug Missachtung entgegen. Ein Teil der deutschen Parlamentarier hat damit weder Großmut noch Stil bewiesen. Der Dichter Stefan Heym, der am vergangenen Sonntag mit 88 Jahren in Israel während einer Heinrich-Heine-Tagung einem Herzversagen erlag, war ja kein Träger des DDR-Regimes gewesen, sondern bestenfalls eine geduldete literarische Galionsfigur. Der demokratische sozialistische Staat, auf den er nach 1989 noch immer hoffte, war eine Fata Morgana. Das humanistische Potential des Kommunismus hatte spätestens Stalin verspielt. Doch unter den Menschen, die an der sozialistischen Vision festhielten, waren einige der besten Köpfe des 20. Jahrhunderts.

Heym freilich war ein Nachzügler unter den Enttäuschten. Er war ein David ohne Chancen, weil er gegen zwei Goliaths antrat, den westlich-kapitalistischen und den terroristisch-diktatorischen östlichen. Sehr früh überzeugter Sozialist, stand er mangels einer besseren Spielart loyal, aber immer kritischer zur DDR. Er hat viele Kompromisse gemacht, blieb aber ein unbeugsamer Querkopf und Utopist, vor wie nach der Wende. Als eine Erhöhung der Diäten der Abgeordneten zum Bundestag beschlossen werden sollte, legte Heym unverzüglich sein Mandat nieder.

1933 aus Deutschland geflohen, als US-Sergeant in der Normandie gelandet, war Heym in zwei Sprachen zu Hause. Er lebte auch nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA, bis ihn die große Kommunistenhatz des Senators McCarthy vertrieb. "Bitterer Lorbeer" hieß das Fazit seiner amerikanischen Jahre. Sein Stil war an den großen amerikanischen Erzählern und am "sozialistischen Realismus" geschult. Stefan Heyms Romanhelden pflegen Stefan Heym mehr oder weniger bis hin zum Selbstporträt zu gleichen. Eine seiner stärksten Figuren ist der "Ahasver" im gleichnamigen Roman (1981), in dem sich nach 2.000 Jahren Jesus und der Schuster, der ihm die Tür wies, gegen Luzifer und seine ideologisch leicht identifizierbaren Horden verbünden ...