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Die Haushalte im „Finanz-Stresstest“

Die aktuelle Wirtschaftskrise nahm ihren Ausgang bei stark überschuldeten Haushalten in den USA, die ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Weite Teile der Finanzwelt waren über komplexe Finanzprodukte und Beteiligungen mit diesen Kreditnehmern verbunden. Die daraus folgende Krise führt vor Augen, wie wichtig eine Beobachtung der Verschuldung privater Haushalte ist, um Risiken für die Finanzmarktstabilität früh vorbeugen zu können.

Um die Widerstandsfähigkeit von Banken in Krisenszenarien zu analysieren, werden Stress-Tests durchgeführt. Ähnliches unternimmt die Oesterreichische Nationalbank in einer aktuellen Studie für die privaten Haushalte. Dabei werden Szenarien durchgespielt, wie etwa Zinserhöhungen, eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit oder eine Wechselkursänderung, die die Fähigkeit der Haushalte, ihre Kredite zu bedienen, beeinträchtigen können. So kann eingeschätzt werden, welche Haushalte von bestimmten Schocks besonders stark betroffen wären. Risiken, die sich aus der Haushaltsverschuldung für die Finanzmarktstabilität ergeben könnten, können damit frühzeitig abgeschätzt werden.

Erste Ergebnisse für Österreich zeigen, dass rund 10 % der verschuldeten Haushalte möglicherweise rasch in Zahlungsprobleme gelangen könnten. Zinserhöhungen beeinflussen die Zahlungsfähigkeit der Haushalte stark. Fremdwährungskredite sind mit besonderen Risiken verbunden, da für sie neben Zinssteigerungen auch Wechselkursschwankungen und Wert- sowie Ertragsveränderungen der Tilgungsträger relevant sind, mit denen für die Rückzahlung angespart wird. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde hat daher gemeinsam mit der Nationalbank die den Banken empfohlenen Mindeststandards für Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkredite im März 2010 erweitert.

* Der Autor ist Gouverneur der Österreichischen Nationalbank

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