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Gesellschaft

Joschka kann, wenn er will

1945 1960 1980 2000 2020
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Die einen werden ihn noch sympathischer finden, die anderen jetzt erst recht zum Kotzen. Joschka Fischer, unkonventionell-brillanter Politiker oder machtversessen-subtiler Heuchler? Wie auch immer - der Mann hat eine bewegte Vergangenheit, auch wenn die ihm vielleicht zum Verhängnis wird.

In jeder Zeitung waren die Bilder zu sehen. Joschka in den frühen Siebzigern als militanter Aktivist, der auf einen Polizisten eindrischt. Dann die Einvernahme am Frankfurter Landgericht, wo er als Zeuge im Prozess gegen Hans-Joachim Klein aussagen muss. Der Kampfgefährte aus alten Zeiten und spätere Terrorist muss sich dort wegen Mordes beim OPEC-Überfall 1975 in Wien verantworten.

Fischer muss weg, meinen daher nicht nur Politiker, sondern auch manche Zeitungskommentatoren. So einer kann nicht länger in staatsmännischer Verantwortung tätig sein.

Der Star in Gerhard Schröders Kabinett leugnet seine Vergangenheit nicht. Er habe sogar mit Vergnügen "kräftig hingelangt" beim Polizis-tenprügeln. Bedauern? Eher versucht der heutige Außenminister, das als "unter den damaligen Umständen begreiflich" hinzustellen.

Menschen können sich ändern. Auch zum Guten. Das ist jedenfalls erfreulicher als das Gegenteil. Man wird doch wohl noch lernen dürfen, sagte Bruno Kreisky gerne. Christen wissen das sowieso. Jedem steht der Weg zur Umkehr offen. Alle haben ihre (unbewältigte) Vergangenheit, Linke wie Rechte. Wie viele Menschen mag es außerdem geben, die der Karriere wegen sich selbst und ihre Vergangenheit beschönigen?

Und dennoch - der Ex-Sponti trägt immer noch Härten in sich, die ihn sehr scharf an Gegner rangehen lassen: überheblich, zynisch, verurteilend. Je komplexer die Realität wird, desto mehr brauchen wir aber Politiker, die differenziert denken können. Das hat der ehemalige Revolutionär Joschka inzwischen auch gelernt. Er kann, wenn er will. Das Bedenkliche ist, dass er trotzdem den undifferenziert-wilden Kämpfer spielt, wenn es gerade opportun ist oder ihm Spaß macht. So wie beim "Antifa-Zirkus" gegen Österreich. Er ist dann wieder ein vereinfachender Populist. Wie Haider. Nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Das ist es, was ihn letztlich um seine Glaubwürdigkeit bringen wird.

E-Mail: thiemer@styria.com

Die einen werden ihn noch sympathischer finden, die anderen jetzt erst recht zum Kotzen. Joschka Fischer, unkonventionell-brillanter Politiker oder machtversessen-subtiler Heuchler? Wie auch immer - der Mann hat eine bewegte Vergangenheit, auch wenn die ihm vielleicht zum Verhängnis wird.

In jeder Zeitung waren die Bilder zu sehen. Joschka in den frühen Siebzigern als militanter Aktivist, der auf einen Polizisten eindrischt. Dann die Einvernahme am Frankfurter Landgericht, wo er als Zeuge im Prozess gegen Hans-Joachim Klein aussagen muss. Der Kampfgefährte aus alten Zeiten und spätere Terrorist muss sich dort wegen Mordes beim OPEC-Überfall 1975 in Wien verantworten.

Fischer muss weg, meinen daher nicht nur Politiker, sondern auch manche Zeitungskommentatoren. So einer kann nicht länger in staatsmännischer Verantwortung tätig sein.

Der Star in Gerhard Schröders Kabinett leugnet seine Vergangenheit nicht. Er habe sogar mit Vergnügen "kräftig hingelangt" beim Polizis-tenprügeln. Bedauern? Eher versucht der heutige Außenminister, das als "unter den damaligen Umständen begreiflich" hinzustellen.

Menschen können sich ändern. Auch zum Guten. Das ist jedenfalls erfreulicher als das Gegenteil. Man wird doch wohl noch lernen dürfen, sagte Bruno Kreisky gerne. Christen wissen das sowieso. Jedem steht der Weg zur Umkehr offen. Alle haben ihre (unbewältigte) Vergangenheit, Linke wie Rechte. Wie viele Menschen mag es außerdem geben, die der Karriere wegen sich selbst und ihre Vergangenheit beschönigen?

Und dennoch - der Ex-Sponti trägt immer noch Härten in sich, die ihn sehr scharf an Gegner rangehen lassen: überheblich, zynisch, verurteilend. Je komplexer die Realität wird, desto mehr brauchen wir aber Politiker, die differenziert denken können. Das hat der ehemalige Revolutionär Joschka inzwischen auch gelernt. Er kann, wenn er will. Das Bedenkliche ist, dass er trotzdem den undifferenziert-wilden Kämpfer spielt, wenn es gerade opportun ist oder ihm Spaß macht. So wie beim "Antifa-Zirkus" gegen Österreich. Er ist dann wieder ein vereinfachender Populist. Wie Haider. Nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Das ist es, was ihn letztlich um seine Glaubwürdigkeit bringen wird.

E-Mail: thiemer@styria.com