Digital In Arbeit

Wer ist intelligent?

Pädagogen und Schulpsychologen setzen zunehmend auf alternative Lernmethoden, denn man mußte feststellen, daß die Schule nicht selten "das Lernen verleidet".

Die Publizisten Kurt Langbein und Rike Fochler, die die verschiedenen Arten von Intelligenz in dem Buch "Einfach genial" (Verlag Deuticke) genauer unter die Lupe genommen haben, sind jedenfalls dieser Meinung.

Noch immer läge das Schwergewicht der konventionellen Wissensvermittlung - auch deren Beurteilung - auf sprachlich und logisch quantifizierbaren Methoden (nach dem Motto: "Je weniger Fehler, desto besser die Note"), kritisieren die Autoren. Zuwenig werde auf die verschiedenen Lern-Typen Rücksicht genommen.

Untersuchungen amerikanischer Wissenschafter geben Langbein und Fochler recht: So hat etwa Howard Gardner, Psychologe an der Harvard Universität, herausgefunden, daß es sieben verschiedene Arten von Intelligenz gibt (die sprachliche, die logisch-mathematische, die räumliche, die musikalische, die körperliche, die zwischenmenschliche sowie das Verständnis für sich selbst).

"Um gute Lernfortschritte zu erreichen, muß ein für jeden Typ ideales Lernangebot geschaffen werden" meint Langbein. Man müsse unter bildhaften, textlich und ganzheitlich orientierten Schülern unterscheiden und sie dementsprechend unterrichten. Unser Jahrhundert wurde aber durch die Fixierung auf den "IQ" als Meßlatte für intellektuelle Fähigkeiten geprägt.

Heute weiß man, daß Intelligenz weit mehr ist: nämlich, soziale, körperliche, personale Intelligenz - insgesamt sind sieben "Intelligenzen" für die Fähigkeiten des Menschen verantwortlich. Die Begabungen könnten wesentlich besser entfaltet werden, wenn unser Bildungssystem es zuließe.

Im ihrem Buch begleiten Kurt Langbein und Rike Fochler "Wunderkinder" durch den Alltag und gehen auf die Suche nach den Wurzeln der Intelligenz: sind es die Gene, ist es die Umwelt, welche Rolle spielen Struktur und Aufbau des Gehirns, was spielt sich bei intellektuellen Höchstleistungen im Gehirn ab?

Hochbegabte Kinder nerven ihre Eltern durch Hyperaktivität, überfordern Lehrer mit ihrem Wissensdurst und frustrieren Gleichaltrige durch ihr Können. Wie sollen unmittelbar betroffene Eltern und Lehrer mit dem Phänomen Hochbegabung umgehen?

Das Buch zitiert Psychologen, Neurologen und Hormonforscher, um dem Leser einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand zu geben. Das Bild vom Wesen der Intelligenz wird dabei neu gestaltet.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau