Film

"Brot": Genuss oder Preis?

1945 1960 1980 2000 2020

Harald Friedl umkreis in seinem neuen Film "Brot" das fundamentalste Lebensmittel des Menschen.

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Harald Friedl umkreis in seinem neuen Film "Brot" das fundamentalste Lebensmittel des Menschen.

Am Brot für die ersten Marskolonisten wird bereits getüftelt, auch an der Bäckerei, in der es hergestellt werden soll. Manches, das der Österreicher Harald Friedl („What Happiness Is“) in seiner Dokumentation über das fundamentale Grundnahrungsmittel der Menschheit zeigt, mag noch Science-Fiction sein. Anderes in „Brot“ wirkt eher wie eine wahr gewordene Schreckensvision, wie die Fabrik aus der Louis- de-Funès-Komödie „Brust oder Keule“, wo aus Plastik und Chemikalien etwas wird, das sich Essen nennt. Auf einer Messe begegnen sie sich: da die Handwerker, die den Teig beobachten und ihre Rezepte an den Rohstoff anpassen, dort die Industrie, die Begriffe wie Wachstum, Innovation oder Produktentwicklung auch auf Wasser und Mehl anwendet. In Belgien begibt sich Friedl zu einem Konzern, der eine Sauerteigbibliothek führt und mit seinen Backmischungen den „Geist“ eines guten Brots von irgendwo auf der Welt internationalisiert, in Deutschland zu einem Großbäcker, der Qualität haben will, genauso aber eine möglichst hohe Stückzahl pro Stunde. Ist die Qualität der Kleinen nur mehr für eine Minderheit? Die des Kunstbäckers aus Paris, bei dem die Leute vorm Laden Schlange stehen, bzw. der Traditionsweiterträgerin, deren Vater einst Salvador Dalí ein Schlafzimmer aus Brot schuf? Der Weinviertler Familie, die bewusst den Retourgang zurück zum Handwerk einlegte? Die Argumente, wenn sich diese Ernährungsphilosophien gegenübertreten, sind hörenswert. Noch spannender ist jedoch die sinnliche Ebene, auf der „Brot“ arbeitet: Wenn er einfach nur den Teig beobachtet, wie er von einigen geknetet, fast gestreichelt wird, und sich selbst überlassen beinah zu leben scheint – während die industriell hergestellten Massen in sich zusammen fallen. Genuss oder Preis, der Unterschied könnte kaum deutlicher als in solchen Bildern sein.