Nurejev - © Foto: Thimfilm
Film

Das Tanzgenie

1945 1960 1980 2000 2020
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Nur in kurzen Rückblenden, die farblich fast auf Schwarz-Weiß reduziert sind, bietet Ralph Fiennes Einblick in die Kindheit des 1938 in einem Waggon der Transsibirischen Eisenbahn geborenen Rudolf Nurejew. Schon damals galt er als „White Crow“, als Außenseiter. Weitere Rückblenden kreisen um seine tänzerische Ausbildung in Leningrad, bei der schon seine Arroganz und seine Unerschrockenheit gegenüber den Behörden sichtbar werden, sowie sein Verhältnis zum sanftmütigen Ballettlehrer Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) und dessen Frau.

Dreh- und Angelpunkt des Films, der auf Julie Kavanaghs „Nurejew. Die Biografie“ basiert, ist aber der dreiwöchige Aufenthalt des Leningrader KirowBalletts in Paris im Frühjahr 1961. Am Höhepunkt des Kalten Kriegs will die Sowjetunion dem Westen damit seine künstlerische Überlegenheit demonstrieren. Dass Rudolf Nurejew (1938–93) freilich nicht in seine Heimat zurückkehren wird, macht schon die Auftaktszene deutlich, in der ein sowjetischer Beamter den Ballettlehrer informiert, dass sich sein Schüler abgesetzt habe und dies Landesverrat sei. Der Ballettlehrer aber antwortet, es gehe Nurejew nur ums Tanzen.

Nur in kurzen Rückblenden, die farblich fast auf Schwarz-Weiß reduziert sind, bietet Ralph Fiennes Einblick in die Kindheit des 1938 in einem Waggon der Transsibirischen Eisenbahn geborenen Rudolf Nurejew. Schon damals galt er als „White Crow“, als Außenseiter. Weitere Rückblenden kreisen um seine tänzerische Ausbildung in Leningrad, bei der schon seine Arroganz und seine Unerschrockenheit gegenüber den Behörden sichtbar werden, sowie sein Verhältnis zum sanftmütigen Ballettlehrer Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) und dessen Frau.

Dreh- und Angelpunkt des Films, der auf Julie Kavanaghs „Nurejew. Die Biografie“ basiert, ist aber der dreiwöchige Aufenthalt des Leningrader KirowBalletts in Paris im Frühjahr 1961. Am Höhepunkt des Kalten Kriegs will die Sowjetunion dem Westen damit seine künstlerische Überlegenheit demonstrieren. Dass Rudolf Nurejew (1938–93) freilich nicht in seine Heimat zurückkehren wird, macht schon die Auftaktszene deutlich, in der ein sowjetischer Beamter den Ballettlehrer informiert, dass sich sein Schüler abgesetzt habe und dies Landesverrat sei. Der Ballettlehrer aber antwortet, es gehe Nurejew nur ums Tanzen.

Durchgehend spannend bleibt dieses Porträt dennoch dank der überzeugenden Verschränkung von Gegenwart und Rückblenden.

Politik ist in Fiennes drittem Spielfilm, der mit den leicht unscharfen Super 16-mm Bildern und gedeckten Farben atmosphärisch stimmig in die frühen 1960er-Jahre versetzt, erst am Ende wirklich Thema, schwingt aber im Hintergrund natürlich von Anfang an mit. Kaum einen Schritt kann Nurejew in der französischen Hauptstadt nämlich ohne Begleitung von KGB-Beamten ma
chen. Durchgängig wird so beiläufig der Gegensatz von freier westlicher Gesellschaft und repressiver Sowjetunion verhandelt, die einem Künstler kaum Raum zum Atmen und zur Realisation seiner Visionen lässt. Doch Nurejew lässt sich davon nicht einschränken, besucht zum Missfallen der Beamten Museen und geht abends mit der jungen Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) aus. Ein kluger Schachzug von Fiennes war es, sich auf den Parisaufenthalt Nurejews zu konzentrieren.

Statt in einen anekdotischen Szenenbogen abzugleiten, entwickelt er so eine dichte Charakterstudie. Zurückhaltend bleibt dabei die Inszenierung, vertraut auch auf den russischen Balletttänzer Oleg Ivenko, der nicht nur mit kurz gehaltenen, aber großartigen Tanzszenen begeistert, sondern auch die Ambivalenz von Nurejew zwischen künstlerisch sehr interessiertem und arrogantem und verletzendem jungen Mann meisterhaft vermittelt. Auf dramatische Szenen kann Fiennes dabei getrost verzichten, durchgehend spannend bleibt dieses Porträt dennoch dank der überzeugenden Verschränkung von Gegenwart und Rückblenden (Drehbuch: David Hare) sowie starken Schauspielern. Ruhig, aber konzentriert entwickelt sich „The White Crow“ so lange, erst am Ende dreht Fiennes so richtig auf, wenn Nurejew sich entscheiden muss, ob er in Paris bleiben oder in die Sowjetunion zurückkehren will und die sowjetischen Beamten den Absprung verhindern wollen. Da wird schließlich aus der Charakterstudie ein Thriller, der packt, obwohl sein Ausgang allgemein bekannt ist.

Nurejew - © Foto: Thimfilm
© Foto: Thimfilm
Film

Nurejew – The White Crow

Regie: Ralph Fiennes.
Mit Oleg Ivenko, Adèle Exarchopoulos,
Ralph Fiennes.
Thimfilm. 122 Min