Abschied von den Eltern - "Abschied von den Eltern": Astrid Johanna Ofners Filmessay über Peter Weiss’ autobiografischen Text aus 1960. - © Stadtkino

Dokumentation und Fiktion verwoben

In einem autobiografischen Text beschrieb der Maler und Schriftsteller Peter Weiss im Jahr 1960 sein Werden als Künstler, das geprägt war vom Heranwachsen in der Enge eines großbürgerlichen Elternhauses und von manifester Isolation, aber auch von seinem unablässigen Widerstand gegen ein vermeintliches Schicksal. „Abschied von den Eltern“ heißt dieser Text, und so nennt auch Astrid Ofner ihren Film, in dessen Mittelpunkt er steht. Ofner will sich dem von Weiss beschriebenen Gefühl annähern, seinen Erfahrungen über sich und über die Welt, aber auch der langwierigen Flucht seiner halbjüdischen Eltern quer durch Europa. In Kombination von fiktiven Gegenwarts-Passagen mit Archiv-, Dokumentar- und Super-8-Aufnahmen entsteht eine adäquate historische Entkoppelung dieser Annäherung von ihrer Quelle. Mittels Schwarzfilm setzt Ofner visuelle Absätze, Räume für den von Sven Dolinski rezitierten oder interpretierten Text. Ein sinnlicher Film, der direkt aus dem – aus mindestens zwei – Herzen zu kommen scheint.

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