Massive_Talent - Filmszene - Nicolas Cage (re.) in der Rolle des von Schulden und innerfamiliären Troubles geplagten Nicolas Cage. - © Constantin

Fan-Service vom Feinsten

1945 1960 1980 2000 2020

Wer Nicolas Cage verfallen ist, wird in „Massive Talent“ mehr als gut bedient. Und wer es werden will, erst recht. Jedenfalls darf Cage eine fiktive Version seiner selbst spielen.

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Wer Nicolas Cage verfallen ist, wird in „Massive Talent“ mehr als gut bedient. Und wer es werden will, erst recht. Jedenfalls darf Cage eine fiktive Version seiner selbst spielen.

Der für sein hemmungsloses overacting bekannte Schauspieler Nicolas Cage ist auch abseits seiner Filme über die Jahre zur absoluten Kultfigur avanciert. Im neuen Film „Massive Talent“, einer selbstreflexiven Action-Komödie unter der Regie von Tom Gormican, hat Cage sichtlich Freude daran, diesen Kult um seine Person ironisch aufs Korn zu nehmen.

Als jemand, der auch bisher metafilmischen Experimenten nicht abgeneigt war (man erinnere sich an seine Darstellung des Drehbuchautors Charlie Kaufman in „Adaptation“ von 2002), spielt Cage in „Massive Talent“ eine fiktive Version seiner selbst. Der von Schulden und innerfamiliären Problemen geplagte Cage willigt ein, für viel Geld bei der Geburtstagsfeier eines Fans (ebenso in herrlicher Spiellaune: Pedro Pascal) auf Mallorca zu erscheinen. Das vergnügliche Wechselspiel zwischen den beiden, die sich bei Sauftouren, LSD-Trips und dem Schwelgen in Cages vergangenen filmischen Großtaten näher kommen, zählt zu den Highlights von „Massive Talent“.

Das Problem so vieler Filme, die ihr eigenes Medium zu reflektieren bzw. ironisch zu brechen versuchen, ist nur, dass ja auch eine Geschichte erzählt werden soll. Hier strauchelt „Massive Talent“ leider gewaltig, steht doch ein Sub-Plot dem verspielten Charakter des Films eher im Wege: Cage wird von der CIA angeheuert, um herauszufinden, ob sich hinter seinem Gastgeber ein Gangsterboss verbirgt. Am meisten Spaß macht „Massive Talent“ durch die vielen Anspielungen auf seine Filme sowie die Gags auf Kosten von Cages Star-Persona, die es von Fans quasi im Minutentakt zu entdecken gibt. Wenn Cage etwa einen Dialog mit seinem jüngeren Ich in Lederjacke und „Wild-at-Heart“-T-Shirt halluziniert, so scheint sein Alter Ego direkt aus dem berühmten Interview mit Terry Wogan für die BBC entsprungen zu sein. Der Fluch von „Massive Talent“ ist einer, der viele von Cages Filmen heimsucht: Seine exzessive Performance verdeckt die Schwächen dieser Filme häufig eher, als dass sie sie offenlegt – daran ändert auch eine gewiefte Ironisierung nichts. „Massive Talent“ liefert Fanservice vom Feinsten, keine Frage. Wer sich aber mehr von einem Film erwartet, ist hier an der falschen Adresse.

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