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Kulinarisches Kino: Kochen versöhnt

1945 1960 1980 2000 2020
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In Eric Khoos „Ramen Shop“ macht sich ein junger japanischer Koch auf die Suche nach der Familie seiner früh verstorbenen, aus Singapur stammenden Mutter – und die dortige Kochkunst. Während ihn sein Onkel, der ein Meister im Kochen der Rippchensuppe ist, freundlich aufnimmt, verhält sich die Großmutter ablehnend gegenüber ihrem Enkel. Die Gräuel, die die Japaner während des Zweiten Weltkriegs auch an ihrer Familie begingen, hat sie nie vergessen. Deshalb hat sie auch nie akzeptiert, dass ihre Tochter einen Japaner heiratete. Erschütternd erinnert Khoo anhand des Besuchs einer Ausstellung an diese Kriegsgräuel, zeigt aber natürlich auch, wie es dem Japaner gelingt, mit seiner Kochkunst die Großmutter zu versöhnen. Die Geschichte ist vorhersehbar, die in Rückblenden skizzierte Liebesgeschichte der Eltern ist – zumal in der Verkürzung – sentimental. Intensiv beschwört Khoo aber in langen Koch- und Speiseszenen den Geruch und Geschmack der leckeren Gerichte und Saucen. So exquisit diese Delikatessen sind, so elegant ist die Inszenierung mit aufgeräumten und sorgfältig kadrierten Bildern. Hier gibt es keine Brüche, keine Ecken und Kanten, sondern nur rundes und flüssiges Erzählen. Alles ist in gedeckte Farben, vor allem in Beigetöne getaucht und perfekt ausgeleuchtet. Das verleiht „Ramen Shop“ freilich auch eine Glätte, durch die sich der Film zusammen mit dem ausführlichen Einsatz süßlicher Musik zumindest nahe an der Grenze zum Kitsch bewegt. Zu gutmenschenhaft ist das doch insgesamt; zu leicht lösen sich hier Konflikte auf. Andererseits muss man an der Beschwörung der Kochkunst und an dem Plädoyer für die Überwindung von Grenzen und den Abbau von Vorurteilen doch Gefallen finden. Diese Versöhnung der Nationen, die auch eine Versöhnung der Generationen ist, manifestiert sich am Ende nicht nur in einer angedeuteten Beziehung des Japaners zu einer Food-Bloggerin aus Singapur, sondern vor allem darin, dass Oma und Enkel gemeinsam kochen und dabei auch noch ein neues Gericht kreieren, bei dem japanische und singapurische Kochkunst verbunden wird: Ramen Teh, eine Kombination aus der japanischen Nudelsuppe Ramen und der singapurischen Schweinerippchen-Suppe Bak Kut Teh.

Ramen Shop (Ramen Teh)
JPN/F/SGP 2018. Regie: Eric Khoo.
Mit Takumi Saitoh, Seiko Matsuda.
Filmladen. 89 Min.

In Eric Khoos „Ramen Shop“ macht sich ein junger japanischer Koch auf die Suche nach der Familie seiner früh verstorbenen, aus Singapur stammenden Mutter – und die dortige Kochkunst. Während ihn sein Onkel, der ein Meister im Kochen der Rippchensuppe ist, freundlich aufnimmt, verhält sich die Großmutter ablehnend gegenüber ihrem Enkel. Die Gräuel, die die Japaner während des Zweiten Weltkriegs auch an ihrer Familie begingen, hat sie nie vergessen. Deshalb hat sie auch nie akzeptiert, dass ihre Tochter einen Japaner heiratete. Erschütternd erinnert Khoo anhand des Besuchs einer Ausstellung an diese Kriegsgräuel, zeigt aber natürlich auch, wie es dem Japaner gelingt, mit seiner Kochkunst die Großmutter zu versöhnen. Die Geschichte ist vorhersehbar, die in Rückblenden skizzierte Liebesgeschichte der Eltern ist – zumal in der Verkürzung – sentimental. Intensiv beschwört Khoo aber in langen Koch- und Speiseszenen den Geruch und Geschmack der leckeren Gerichte und Saucen. So exquisit diese Delikatessen sind, so elegant ist die Inszenierung mit aufgeräumten und sorgfältig kadrierten Bildern. Hier gibt es keine Brüche, keine Ecken und Kanten, sondern nur rundes und flüssiges Erzählen. Alles ist in gedeckte Farben, vor allem in Beigetöne getaucht und perfekt ausgeleuchtet. Das verleiht „Ramen Shop“ freilich auch eine Glätte, durch die sich der Film zusammen mit dem ausführlichen Einsatz süßlicher Musik zumindest nahe an der Grenze zum Kitsch bewegt. Zu gutmenschenhaft ist das doch insgesamt; zu leicht lösen sich hier Konflikte auf. Andererseits muss man an der Beschwörung der Kochkunst und an dem Plädoyer für die Überwindung von Grenzen und den Abbau von Vorurteilen doch Gefallen finden. Diese Versöhnung der Nationen, die auch eine Versöhnung der Generationen ist, manifestiert sich am Ende nicht nur in einer angedeuteten Beziehung des Japaners zu einer Food-Bloggerin aus Singapur, sondern vor allem darin, dass Oma und Enkel gemeinsam kochen und dabei auch noch ein neues Gericht kreieren, bei dem japanische und singapurische Kochkunst verbunden wird: Ramen Teh, eine Kombination aus der japanischen Nudelsuppe Ramen und der singapurischen Schweinerippchen-Suppe Bak Kut Teh.

Ramen Shop (Ramen Teh)
JPN/F/SGP 2018. Regie: Eric Khoo.
Mit Takumi Saitoh, Seiko Matsuda.
Filmladen. 89 Min.