Marianne Leonard - © Foto: Polyfilm
Film

Liebe auf Hydra

1945 1960 1980 2000 2020

Nick Broomfield setzt mit „Marianne and Leonard – Words of Love“ Leonard Cohen – und einmal mehr sich selbst – ein Denkmal.

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Nick Broomfield setzt mit „Marianne and Leonard – Words of Love“ Leonard Cohen – und einmal mehr sich selbst – ein Denkmal.

Michael Moore, Louis Theroux, Werner Boote: Für Dokumentaristen, die ihre eigene Person mit zum Gegenstand ihrer Filme machen, hat sich die Bezeichnung „Les Nouvelles Egotistes“ eingebürgert. Der Brite Nick Broomfield war einer der ersten, der sich dieses Stils bediente, legendärerweise etwa bei seiner Auseinandersetzung mit Kurt Cobains Witwe Courtney Love anlässlich „Kurt & Courtney“. Auch bei seinem jüngsten Werk „Marianne & Leonard – Words of Love“ kann er nicht recht davon lassen; immerhin sei die Norwegerin Marianne Ihlen nicht nur die große Liebe des Poeten und Sängers Leo­nard Cohen gewesen, sondern auch seine eigene Muse. Sie habe ihn zu seiner ersten Arbeit ermutigt und ja, sie hätten auch eine flüchtige Affäre gehabt – bei Broomfield verschwimmen manchmal die Grenzen zwischen schonungsloser Offenheit und Gazettenmentalität.

Michael Moore, Louis Theroux, Werner Boote: Für Dokumentaristen, die ihre eigene Person mit zum Gegenstand ihrer Filme machen, hat sich die Bezeichnung „Les Nouvelles Egotistes“ eingebürgert. Der Brite Nick Broomfield war einer der ersten, der sich dieses Stils bediente, legendärerweise etwa bei seiner Auseinandersetzung mit Kurt Cobains Witwe Courtney Love anlässlich „Kurt & Courtney“. Auch bei seinem jüngsten Werk „Marianne & Leonard – Words of Love“ kann er nicht recht davon lassen; immerhin sei die Norwegerin Marianne Ihlen nicht nur die große Liebe des Poeten und Sängers Leo­nard Cohen gewesen, sondern auch seine eigene Muse. Sie habe ihn zu seiner ersten Arbeit ermutigt und ja, sie hätten auch eine flüchtige Affäre gehabt – bei Broomfield verschwimmen manchmal die Grenzen zwischen schonungsloser Offenheit und Gazettenmentalität.

‚Marianne & Leonard‘ ist weniger als Dokumentarfilm denn als große Liebesgeschichte angelegt, eine emotionale Hochschaubahn.

Nur ist der Grundtenor hier voll Zuneigung: Mit den wiederentdeckten Aufnahmen seines Kollegen D. A. Pennebaker vermeint er in Ihlens Seele blicken zu können. Etliche weitere Quellen zapft er an, um Cohens Leben zu beschreiben, dessen Charakterzüge und Inspirationen. „So Long, Marianne“, das wie ein Endpunkt für die Beziehung der beiden stand, folgen weitere Lieder, deren Entstehung beleuchtet wird.

Fast eine Figur für sich ist dabei der Ort, der Ihlen und Cohen verband: die griechische Insel Hydra, in den 1950ern und 60ern Anziehungspunkt für eine Schar ausländischer Künstler und in der Beschreibung zugleich betörend und verheerend. So pendelt auch die Stimmung zwischen Betroffenheit über jene, die dort oder an der Rückkehr in die normale Gesellschaft zerbrochen sind, und den Anekdoten, die andere über den allgemeinen LSD-Konsum zum Bes­ten geben.

Broomfield legt es auf eine abschließende Betrachtung mit persönlichem Einschlag an, eine Ergänzung und Kompilierung zu einem Gesamtkontext. Unbestritten weiß er das fremde Material zu nutzen, zum Beispiel eine Szene aus Tony Palmers „Bird on a Wire“, in der eine Schauspielerin Udo Jürgens ignoriert und hemmungslos mit dem „Ladies’ Man“ Cohen flirtet. Auch das gehört zu „Marianne & Leonard“, der weniger als Dokumentarfilm denn als große, auf ihre Weise erfüllte Liebesgeschichte angelegt ist, eine emotionale Hochschaubahn, die als solche recht zufriedenstellt. Ein noch größerer Trost für die Fangemeinde wird zu Leonard Cohens drittem Todestag aber das letzte, postum von seinem Sohn Adam fertiggestellte Album sein, das Ende November erscheint.

"Marianne & Leonard - Words of Love" - © Polyfilm
© Polyfilm
Film

Marianne & Leonard – Words of Love

USA 2019. Regie: Nick Broomfield.
Polyfilm. 97 Min. Ab 7.11. im Kino.