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Mr. Hyde in Grün

Ang Lees Film über das Comic-Monster "Hulk" birgt mehr als bloß Action - er entpuppt sich als raffinierte Studie über die Abgründe des Menschen.

Wenn Dr. Bruce Banner zornig wird, dann verwandelt er sich in ein riesiges grünes Monster, das alles kurz und klein schlägt. In den USA ist die Comicfigur Hulk Teil der populären Mythologie, doch die Verfilmung des Stoffes durch Meisterregisseur Ang Lee wird dort wohl auf wenig Gegenliebe stoßen: "Hulk" ist kein Actionspektakel geworden, sondern ein düsteres Werk voll menschlicher Abgründe, das an einer Stelle sogar zu einer beinahe Shakespear'schen Tragödie wächst. Denn die Ursache der Metamorphose des Bruce Banner (Eric Bana) war der skrupellose Forscherdrang seines Vaters (Nick Nolte), der als junger Wissenschaftler transgene Selbstexperimente durchführte. Der Vater-Sohn-Konflikt dominiert den Film viel mehr als die naturgemäß belastete Beziehung zwischen Bruce und seiner Kollegin Betty (Jennifer Conelly). Mehr als drei Charaktere lässt der Film freilich nicht zu, alles um sie herum ist recht grob schraffiert. Das Sensationelle ist, wie Lee die Bildsprache der Comics auf die Leinwand überträgt. Schon im Vorspann wird unglaublich dicht die Vorgeschichte erzählt. Raffinierteste Überblendungen und verschiedene Bilder zur gleichen Zeit ("Split Screen") machen etwas her, auch wenn man mit (amerikanischen) Comics nicht vertraut ist. Wenn das grüne Monster in totaler Stille über weiße Wüstendünen stapft oder zu esoterisch anmutenden Klängen über bizarre Felsformationen springt - auch hier gelingen atemberaubende Bilder -, so kommt der Film dem ursprünglichen Geist des Comics sehr nahe, dem es nicht nur um Action, sondern um gesellschaftliche und psychologische Fragen ging: um das Verdrängte, Unterdrückte, das seinem Freiheitsdrang gehorchend gewaltsam hervorbricht - eine moderne Fassung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

HULK

USA 2003. Regie: Ang Lee. Mit Eric

Bana, Jennifer Connelly, Nick Nolte, Sam Elliott, Josh Lucas, Paul Kersey,

Cara Buoni. Verleih: United International Pictures. 137 Min.

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